Der ‘arabische Frühling’ aus Anlegersicht
Die demokratische Protestwelle, die über den Nahen Osten und Nordafrika hinweg rollt, hat erst das tunesische und dann das ägyptische Regime zu Fall gebracht. Nun beschert sie Libyen anhaltende Unruhen. Und obwohl sich die dortigen Machthaber der Bewegung mit aller Kraft entgegenstemmen - die Wucht und Intensität des ‘arabischen Frühlings‘ bleiben ungebrochen. In Syrien, Bahrain und im Jemen versucht die politische Führung nun, die Massenproteste mit Waffen niederzuschlagen.
Da es sich um eine der wichtigsten ölproduzierenden Regionen handelt, wächst die Sorge vor einem Ölpreisschock im Stil der 1970er Jahre. Ein solches Szenario scheint jedoch eher unwahrscheinlich. Bisher wurde die globale Ölversorgung nicht ernsthaft unterbrochen. Doch so lange die Unsicherheiten andauern, ist mit steigenden Ölpreisen zu rechnen.
WAS BISHER GESCHAH
Die Unruhen im Nahen Osten eskalieren. In der syrischen Stadt Deraa wurden Berichten zufolge mindestens 44 Menschen getötet, als die regierende Baath-Partei mit Waffengewalt gegen eine Protestkundgebung vorging. Im Jemen haben die Aufständischen eine Stadt nahe der saudischen Grenze eingenommen. Nachdem die Menschen landesweit den Rücktritt von Staatspräsident Ali Abdullah Saleh gefordert haben, hat das Weiße Haus signalisiert, man bereite sich auf einen Machtwechsel an der Spitze des südarabischen Landes vor. In Bahrain, wo die regierende Königsfamilie zur sunnitischen Minderheit zählt, planen die Protestierenden aus der schiitischen Mehrheitsbevölkerung trotz des rigorosen Vorgehens der nationalen Sicherheitskräfte weitere Märsche.
Der Rohölpreis bleibt hoch, obwohl die OPEC (insbesondere Saudi-Arabien) die Fördermenge erhöht hat, um Lieferausfälle infolge der Libyen-Krise auszugleichen. Hinter den Preisschüben verbirgt sich die Angst, dass die Protestwelle weitere Ölländer im Nahen Osten überrollt.
WELCHE FAKTOREN BESTIMMEN DEN ÖLPREIS?
Libyen ist der erste Erdölproduzent, der von der Welle der demokratischen Proteste in der arabischen Welt erfasst wurde. Mit einem Anteil von zwei Prozent an der Weltproduktion rangierte das Land im Jahr 2010 auf Platz 19 der erdölproduzierenden Nationen.
Inzwischen weiten sich die Proteste auch auf Golfstaaten wie den Jemen, Bahrain und Syrien aus. Insofern ist ein Risikoaufschlag auf Rohöl durchaus gerechtfertigt. Syrien trägt einen Anteil von etwa 0,5 Prozent, der Jemen von 0,4 Prozent zur globalen Erdölproduktion bei. Entscheidend ist die geographische Lage. Die Angst bleibt, dass größere ölproduzierende Länder im Nahen Osten wie Saudi-Arabien in den Strudel der Proteste hineingezogen werden. Schon heute überrascht die Bewegung viele Beobachter durch ihre Hartnäckigkeit und Fähigkeit, Grenzen zu überwinden. [...]
Den vollständigen Kommentar finden Sie als PDF-Datei im Anhang!
-
0.09 MB
Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.






