E-Interview mit Heidrun Haug (Storymaker GbmH) zum Thema: Kommunikation trotz Krise - "Schwierige Zeiten sind kein Grund zu schweigen"
Worin sehen Sie die Chancen, in schwierigen Zeiten, konkret beginnende Megarezession, als Unternehmen an Märkte, Partner (und wen noch?) zu kommunizieren?
Schwierige Zeiten sind kein Grund zu schweigen. Aber Anlass, um nachzudenken: wo sind Korrekturen in der Kommunikationsstrategie erforderlich, was bringt wirklich kommunikativen Mehrwert und was ist eher "Nice-to-have"? Wer die Zeichen der Krise ernst nimmt, der denkt jetzt über Nachhaltigkeit nach, über sinnvolle Produkte, über Verantwortung. Der Wettlauf um die besten Lösungen und Produkte wird sich in der Krise eher beschleunigen. Die Kommunikation muss sich darauf konzentrieren, was ein Unternehmen mit weniger Energie, weniger Schadstoffen, mehr Intelligenz und zunehmender Langlebigkeit anbieten kann, in den Markt zu tragen. Da ist jede Menge Kommunikationsarbeit zu leisten.
Wie kann das unter Budgetrestriktionen etc. trotzdem gelingen?
Standardisieren, systematisieren, vernetzen! Marketing und Kommunikation sind von effizienten Abläufen ‑ verglichen mit der Produktion und Produktentwicklung ‑ auch heute noch meilenweit entfernt. Wir leisten uns immer noch den Luxus, jeden Tag das Rad neu zu erfinden. So erzeugt fast jedes Unternehmen den selben Inhalt in verschiedenen Redaktionen oder Abteilungen mehrfach. Das verschwendet nicht nur Ressourcen, sondern verhindert auch eine einheitliche Kommunikation. Es ist an der Zeit, von den Maschinenbauern zu lernen! Jedes Thema sollte in Module zerlegt und die relevante Information nur einmal recherchiert werden. Die Aufgabe liegt dann im zielgerichteten Ausrollen des Inhalts über viele Kanäle und Medienformen.
Ein Beispiel: Die klassische Case Study. Derzeit gehen verschiedene Abteilungen unabhängig voneinander auf den Kunden zu, um eine Anwendergeschichte als Flyer, für den Sales-Newsletter, eine Präsentation, die Website, ein Online-Portal oder für eine Fachzeitschrift aufzubereiten. Das ist ineffizient, kostenintensiv und nicht zuletzt: es geht dem Kunden gehörig auf die Nerven. Ein integrierter Content-Ansatz kann hier Abhilfe schaffen: Ein Termin beim Kunden wird mit einem sinnvollen Standardprozess vorbereitet, an verschiedene Text- und Bildformen wird "vorher" gedacht. Ein Autor nimmt beispielsweise alle Informationen auf und liefert Mastertexte, die für verschiedene Zwecke adaptiert werden. Das klingt banal, ist aber weit weg von dem, was heute Realität ist. Multimedial und integriert, bzw. vernetzt zu denken, das ist heute die Devise für die Kommunikation.
Welches sind die häufigsten Fehler, die Unternehmen hierbei vermeiden sollten?
Bill Gates wird nachgesagt, er hätte sich einmal so geäußert: "If I was down to my last dollar, I'd spend it on public relations". Das Gegenteil tun die meisten Unternehmen: Sie sparen an der Kommunikation. Pauschal. Ohne, dass sie sich die Verknüpfungspotenziale zwischen unterschiedlichen Kommunikationseinheiten anschauen oder sogar antizyklisch eine Kommunikationsoffensive starten. Die wäre in Zeiten schleppender Absätze dringend nötig. Schnellschüsse stehen also anstelle von Analyse. Angst und Zurückhaltung vor innovativen Potenzialen. Dabei sind viele Chancen vorhanden.
Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.




