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September 2007, Fachartikel Nr. 7 von Prof. Dr. Matthias Fank (FH Köln) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH
Online Marketing ist nicht Marketing online
Im Web 2.0 müssen alte Denkmuster in Frage gestellt werden
Für viele Unternehmen ist Online Marketing steshaltung innerhalb der Betriebswirtschaftsleh‐
noch immer kaum mehr als ein weiterer Werbe‐ re. Dies würde auch das Online Marketing in ei‐
träger, der mit klassischen Mitteln bedient wird. nen anderen Blickwinkel rücken und den Beson‐
Viel zu häufig noch werden die Eigenheiten des derheiten des Internets weitaus eher gerecht
Internets und des Web 2.0 einfach ignoriert. werden. Denn spätestens mit dem neuen Hype
Und so können die Marketing‐Bemühungen der um das Web 2.0 wird vielen klar, dass der Markt
Unternehmen mitunter sogar gänzlich unge‐ Internet eigene Gesetzmäßigkeiten hat und Ef‐
wollte Folgen haben. fekte hervorruft, bei denen klassische Marketing‐
Zu den zahlreichen Dingen, die vom Aufkommen
des Internets massiv beeinflusst wurden, gehört
sicherlich auch das Marketing. Dieses wird im
klassischen Sinne eher als eine Funktion angese‐
hen und oft mit Werbung und Verkauf gleichge‐
setzt. Fachleute sprechen vom Marketing‐Mix,
der neben Werbung und Verkauf weitere Aspek‐
te des Marketings berücksichtigt. In dieser Sicht‐
weise wird Marketing also vor allem über seine
Aufgaben definiert. Zu diesen einzelnen Aufga‐
ben konnten Unternehmen in den letzen Jahr‐
zehnten zahlreiche Erfahrungen sammeln und
gewinnbringend umsetzen.
Anzeige
Mit dem Aufstieg des Internets zum neuen Mas‐
senmedium entstand aber auch das Online Mar‐ instrumente nicht mehr funktionieren. Das Schal‐
keting, welches seitdem in vielen Unternehmen ten von Bannerwerbung auf reichweitenstarken
einfach als ein neuer Werbeträger verstanden Internetauftritten reicht nicht mehr aus und ist
und mit den klassischen Methoden bedient wird. oft auch nicht mehr sinnvoll.
Typisch für diese Art des Online Marketings sind
dann Werbebanner, Pop‐Ups oder Layer‐Ads. Einige Themenportale haben bereits erkannt,
Diese Sichtweise kann sich jedoch auch negativ dass Marketing im Internet mehr ist als das
auf Unternehmen auswirken (was im Verlauf die‐ Schalten von Bannern und Pop‐Ups und fordern
ses Beitrags an zwei Beispielen verdeutlicht wer‐ von ihren Kunden das Bereitstellen von Inhalten
den soll). Vielleicht sollte man sich beim Online und den offenen Diskurs mit den Internetusern.
Marketing einmal auf Philip Kotler zurückbesin‐ Dies war bis dato nicht die Aufgabe des Marke‐
nen. Für den amerikanischen Marketing‐Pionier tings und stieß seitens der Marketingverantwort‐
war Marketing eher eine Philosophie bzw. Geis‐ lichen eher auf Ablehnung. Nur wenige Unter‐
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nehmen erkennen bisher dieses Potential und agentur macht bei CIAO auch hiervon Gebrauch.
haben es für sich erfolgreich umgesetzt. Noch Und so steht nun direkt neben der Aussage des
immer prägen Fragen nach Reichweiten, Visits Rezensenten, der sich keinesfalls wieder einen
und Page Impressions die Entscheidungen für Opel kaufen würde, die Werbung des Herstellers:
Online‐Werbebudgets. Selbst der Boom um das "Opel. Frisches Denken für bessere Autos".
Web 2.0 lässt noch nicht erkennen, dass Unter‐
nehmen wirklich verstanden haben, wie das In‐
ternet funktioniert.
Anti‐Werbung statt Online Marketing
Zwei Beispiele aus der Automobilbranche zeigen
anhand des Umgangs mit dem so genanntem
"User Generated Content" die grundsätzlichen
Denkfehler mancher Unternehmen im Online
Marketing.
Der erste Fall zeigt das Engagement des Automo‐
bilherstellers Opel (wenngleich hier auch andere
Hersteller hätten herangezogen werden können)
auf dem Kunden‐Bewertungsportal CIAO. Auf
CIAO können Kunden ihre Erfahrungen zu Pro‐
dukten und Dienstleistungen einstellen. Mittler‐
weile sind mehr als 1,2 Mio. Produkte auf CIAO
bewertet und in Deutschland rund 350.000 User
dort registriert. 2006 verzeichnete CIAO.com 75
Mio. Besucher auf seinem Portal. Damit ist dieses
Portal für Marketingverantwortliche definitiv ein
attraktiver Ort, um Werbung zu schalten. Wir
suchten auf CIAO einmal nach dem Opel‐Modell
Tigra und wurden auch fündig. Zum Tigra sind bei
CIAO mehrere Erfahrungsberichte von Privatper‐
sonen hinterlegt. Einer der Rezensenten beurteil‐
te das betreffende Modell aber nur mit 2 von 5
möglichen Sternen, riet vom Kauf des Wagens ab Abbildung 1: Screenshot aus CIAO zum Opel Tigra (Ausriss)
und kritisierte zudem das Beschwerdemanage‐
ment von Opel: "Opel hat sich auf eine Be‐ Es darf davon ausgegangen werden, dass eine
schwerde meinerseits nicht gerührt. Na ja, das solche Anzeige auf einer Webpage, die vom Kauf
nächste Auto wird wieder so ähnlich sein, aber des eigenen Produkts abrät, nicht im Sinne des
bestimmt kein Opel!" Nun haben Unternehmen Automobilherstellers sein dürfte. CIAO hat eine
bei CIAO die Möglichkeit, zu bestimmten Begrif‐ große Reichweite und ist attraktiv für Werbetrei‐
fen ein Mouse Over Pop Up zu schalten und Opel bende. Dies bestätigt auch eine Suchanfrage bei
bzw. die durch Opel beauftragte Werbe‐ Google. Verwendet man die Begriffe Opel und
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September 2007, Fachartikel Nr. 7 von Prof. Dr. Matthias Fank (FH Köln) in Zusammenarbeit mit infospeed GmbH
Tigra landet CIAO auf Platz fünf der Trefferliste. Gehör und damit Reichweite verschaffen. Mittels
Fügt man noch den Begriff "schlecht" hinzu, liegt Text, Video oder Audio können Informationen
CIAO auf Platz 1 der Liste. Internetnutzer gelan‐ ungefiltert verbreitet und der Weltbevölkerung
gen also bei ihrer Suche schnell auf die Seiten zugänglich gemacht werden. Und genau dies
von CIAO. Mit dem Schalten einer Anzeige zeigt wollte Chevrolet mit seiner Werbeaktion auch
Opel, dass es CIAO als ein für sie relevantes Wer‐ erreichen. Die kostenlosen Werbespots der Kun‐
beumfeld definiert und unterstreicht damit indi‐ den sollten sich ganz von allein über das Internet
rekt die Glaubwürdigkeit der Inhalte, auch die verbreiten. Hierfür stellte Chevrolet Bildmaterial
des negativen Erfahrungsberichts. des neuen Tahoe in digitaler Form zur Verfügung.
Aus Bildern des Autos, wie es durch herrliche
Landschaften fährt, sollten die Kunden ihre eige‐
nen Clips erstellen.
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