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Podcasting_wunschel_Leitfaden_Online-Marketing.pdf Ein Blick auf Podcasting
in Deutschland
Alexander Wunschel
Im Frühjahr 2004 realisierten der Programmierer Dave Winer und der Ex-MTV-
Verbreitung von Moderator Adam Curry ihre Idee, multimediale Dateien abonnierbar zu machen
MP3-Dateien und damit die Verbreitung von MP3-Dateien zu automatisieren. Am 13. August
automatisieren 2004 ging mit dem Credo „Where users and developers party together“ einer der
ersten Podcasts online, der inzwischen legendäre „DailySourceCode“ von Adam
Curry. Der Geburtsstunde des Podcasting folgte eine rasante Entwicklung, die
von drei Faktoren getrieben wurde: Der zunehmenden Verbreitung von Breitband-
Internetanschlüssen, der wachsenden Anzahl MP3-fähiger Endgeräte und den
immer einfacher zu handhabenden MP3-Produktionsumgebungen für jedermann.
Dem Trend trug sogar iTunes, die Musikverwaltungssoftware von Apple, mit der
Integration von Podcasting und dem Aufbau einer eigenen Online-Suchmaschine
Rechnung. Über 70.000 Podcasts unterschiedlicher Professionalität und inhaltlicher
Ausrichtung wurden hier Ende 2006 gelistet und damit einer breiten Öffentlichkeit
zugänglich gemacht. In den USA wurde Podcast vom New Oxford American
Dictionary zum Wort des Jahres 2005 gewählt. Die Definition: „A digital recording
of a radio broadcasting or similar program, made available on the internet for
downloading to a personal audio player“ [1].
Bereits drei Jahre nach der Erfindung des technischen Kommunikationskanals
hat Podcasting eine erstaunliche Verbreitung erreicht. Mit Podcasting entstand
ein zusätzlicher Informations- und Unterhaltungskanal, der inzwischen auch
von vielen Medien, Verlagen und Unternehmen genutzt wird. Beginnen wir
die Reise durch das neue Medienphänomen mit den treibenden Kräften dieser
Entwicklung.
Ein Blick auf die Erfolgstreiber von Podcasting
Vorab: Audio wirkt. Der Klang der Stimme, die Modulation und der unverfälschte
Klang der Rezeptionskanal, welcher mit seinen Signalen direkt im Hirn ankommt, sind Gründe
Stimme, die für das Medienphänomen. Jeder Sender definiert sich überwiegend über zwei
Modulation und Dimensionen: Klang und Inhalt. Und hierbei ist bei Weitem nicht die technische
der unverfälschte
Rezeptionskanal Perfektion ausschlaggebend, sondern Authentizität, Passion und Profession. Die
Stimme ist dabei als Trägermedium ein Erfolgskriterium von Podcasts: Leidenschaft.
Paart sich Leidenschaft mit inhaltlicher Kompetenz, so findet jeder Sender – und
damit jeder Kanal – seine Zuhörer. Weitere Erfolgsdimensionen sind die Parameter
der Medienformate, wie zum Beispiel Länge und Frequenz der Episoden. Dennoch
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Alexander Wunschel: Ein Blick auf Podcasting in Deutschland
ist kein weiterer Aspekt so ausschlaggebend für eine treue Hörerschaft, wie
Authentizität und Leidenschaft.
Im Folgenden möchte ich versuchen weitere Einflussfaktoren neben der Kraft der
Stimme zu skizzieren. Podcasting scheint auf einen interessanten Nährboden zu
fallen.
Parasoziale Interaktion
Als kommunikationswissenschaftlicher Erklärungsansatz im Rahmen der Fernseh-
nutzung in den 1950er-Jahren formuliert, findet dieser Ansatz im Podcasting
ebenfalls Anwendung. Er kennzeichnet insbesondere den Erfolg privat produzierter
Podcasts: Die „parasoziale Interaktion“ als intensives Bindeglied zwischen Hörer
und Sender basiert auf einem Identifikationspotenzial, das durch gemeinsame Neuartiges
Wertvorstellungen, Erfahrungen sowie weitere Identifikationsdimensionen Community-
Gefühl
entsteht. Diese Bindung wird im Podcasting durch den Dialogcharakter und die abseits der
vermeintlich persönliche Ansprache gefördert und bietet auf dieser Basis ein Massenmedien
neuartiges Community-Gefühl, welches die Massenmedien nur vereinzelt vermitteln
können.
Ubiquität des MP3-Dateiformats
Mit Podcasting, in seiner ursprünglichen Form als Audio-Kanal, wird ein
Dateiformat zum Medium: MP3. Ein Erfolgsfaktor von Podcasting ist damit die
Verbreitung von MP3-fähigen Endgeräten. Und hier offenbart sich das Potenzial
von Podcasting in Deutschland. Im Straßenbild der Großstädte sind sie nicht mehr
wegzudenken: Passanten mit Kopfhörern, überwiegend weiß – jener Farbe, die
inzwischen auch zum Markenzeichen des iPods geworden ist.
Apple meldete im April den Verkauf des 100 Millionsten iPod, dem marktdomi-
nierenden portablen Audio- und Video-Player [2]. Die „Allensbacher Computer
Über 15
und Technikanalyse 2005“ [3] wies bereits für die erste Jahreshälfte 2005 circa Millionen
neun Millionen MP3-Player-Besitzer in Deutschland aus, weitere vier Millionen MP3-fähige
planten die Anschaffung des Gerätes. Die Anzahl der MP3-fähigen Mobilfunkgeräte Abspielgeräte in
wurde nicht erhoben beziehungsweise nicht extra ausgewiesen. Insofern lässt sich Deutschland
unterstellen, dass bis Mitte 2007 die Zahl der MP3-fähigen Abspielgeräte in
Deutschland die 15-Millionen-Marke überschritten haben wird.
Massenmedienfrust
Das klassische Formatradio verkommt außerhalb der Prime-Time zum Sound-
teppich beziehungsweise zur Klangtapete und spult überwiegend Playlisten mit
massentauglichem Ohrfutter ab. Selten werden schärfere Programmprofile entwickelt
und positioniert, um nicht zu sehr zu polarisieren und damit Reichweite zu verlieren.
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T. Schwarz: Leitfaden Online Marketing / Kap. 12 Kommunikation und PR
Podcasting wird zwar kein vollwertiger Ersatz für klassische Radioformate werden,
ist aber durchaus getrieben vom Massenmedienfrust der Nutzer.
Bandbreite
Eine der Grundvoraussetzungen für den Wechsel des Medienparadigmas und der
Entwicklung des Internets zum „Media-Backbone“ ist die Verfügbarkeit von
breitbandigen Internetzugängen. Die neuen Medienformate im Podcasting bedürfen
großer Datenmengen und agieren mit Dateigrößen, die bis vor wenigen Jahren nur
in der IT- oder Softwareentwicklung gängig waren. Für das Jahr 2006 kann von
zwei Kenngrößen ausgegangen werden: Die Hälfte der Onliner in Deutschland
besitzt inzwischen einen Breitbandzugang (DSL), und knapp die Hälfte hat eine
Flatrate [4].
Zunehmende Mobilität
Podcasting ist auch, aber nicht nur ein Medium für unterwegs. Damit lohnt sich für
die Ermittlung der Treiber dieses Phänomens die Untersuchung der Mobilität in
Deutschland. Laut der Zeitbudget-Erhebung „Wo bleibt die Zeit?” des Statistischen
Bundesamtes 2001/2002 sind die Bundesbürger in Deutschland im Schnitt 1 Stunde
und 21 Minuten pro Tag unterwegs [5]. Bezieht man diese Dauer nur auf den
Anteil der 36,2 Millionen Deutschen in Beruf und Ausbildung, dann ergibt dies
48,9 Millionen Stunden täglich. Der Arbeitsweg oder Weg zur Ausbildungsstätte
dauert in Deutschland durchschnittlich 24 Minuten [6]. Bezieht man diese 24
Arbeitsweg
dauert 24 Minuten auf die Anzahl der Arbeitstätigen oder in Ausbildung befindlichen, so
Minuten ergibt dies eine Summe vom 14,5 Millionen Stunden Arbeitsweg oder Weg zur
Ausbildungsstätte.
Geändertes Mediennutzungsverhalten und neuer Medienkonsum
Unterschiedlichste Hinweise skizzieren ein sich änderndes Mediennutzungsverhalten
der Konsumenten. Die „Media-Analyse“ (MA) berichtet von einem Rückgang der
Radionutzung in der Zielgruppe der 20- bis 29-Jährigen in den letzten drei Jahren
um zehn Prozent [7]. Laut der Studie „Massenkommunikation“ von ARD und ZDF
wird der klassische Medienkonsum zwar immer noch von Fernsehen und Radio
dominiert, das Internet beziehungsweise der Konsum von Musik und Hörmedien
hat die Printmedien jedoch längst überholt. In England ging man Anfang 2006 sogar
davon aus, dass der durchschnittliche Internetnutzer mit 164 Onlineminuten täglich
bereits das Fernsehen, mit seinen 148 Minuten Nutzungsdauer täglich, überholt hat.
Auch in den USA sind Internetnutzer mit 14 Stunden pro Woche bereits so lange
online wie sie TV konsumieren [8]. Die Internetnutzung erfolgt primär auf Kosten
der klassischen Medien, also TV, Radio, Zeitschriften und mit einem Minus von
37 Prozent vor allem Bücher.
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