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Inkubatoren - Liquidatoren? Die Zukunft der Brutstätten

Stefan Jugel
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Beschreibung
Inkubatoren sind, wie vieles in der New Economy, zunächst hoch gelobt worden und dann heftig in die Kritik geraten. Besinnt man sich auf die Herkunft des Begriffs, so verbirgt sich dahinter zunächst Altbekanntes. Business Incubators in den USA oder Technologiezentren als ihr deutsches Pendant bieten schon seit langem Existenzgründern durch Bereitstellung von günstigen Büroflächen und sonstiger Infrastruktur Starthilfe. Dahinter stand in aller Regel öffentliches Förderinteresse.

Die New Economy hat ihre eigene Variante der privatwirtschaftlichen Inkubation hervorgebracht. Durch Bereitstellung von Bürofläche, Kapital und Coaching in Form von Beratung und Netzwerkkontakten sollen aussichtsreiche Startups systematisch ausgebrütet werden. Vorreiter waren einmal mehr die USA, wo Unternehmen wie Hotbank, idealab! oder CMGI sogar eine quasi industrielle Produktion von neuen Unternehmen propagierten. Ziel war die Vervielfachung des Kapitaleinsatzes in wenigen Jahren durch Steigerung des Firmenwertes der Startups. Bedingt durch die aktuelle Situation an den Aktienmärkten stecken alle diese Modelle heute mehr oder weniger in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Eingegangene Beteiligungen haben heute nur noch einen Bruchteil ihrer Ursprungsbewertung. Weitere Finanzierungsrunden müssen von den Inkubatoren mitgetragen werden und führen bei diesen zu Liquiditätsproblemen. Die aufwendige Betreuung, Büro- und Infrastrukturleistungen rechnen sich nicht mehr. Damit stellt sich die Frage, welche Zukunft Inkubatoren bevorsteht und welche ihrer Leistungen auch in schwierigem wirtschaftlichen Umfeld Berechtigung auf Existenz haben, sprich wirtschaftlich vertretbar für ihre Betreiber sind.

Ein Blick auf die heutige Marktsituation zeigt, dass es nicht an Kapital mangelt. Engpass sind vielmehr gute Gründungsvorhaben. Nichtsdestotrotz gibt es Schwierigkeiten in der Vermittlung von Kapital an Gründer. Entweder sind die Vorhaben nicht gut genug bzw. reif für eine Finanzierungsrunde. Oder die Kapitalgeber scheuen das Risiko einer Beteiligung an einem Startup aus Unsicherheit ü ber die Funktionsfähigkeit des Geschäftsmodells. Schließlich beeinträchtigt die momentane Marktstimmung sehr negativ die Exitmöglichkeiten.

Welchen Beitrag können also Inkubatoren heute zur Lösung dieses Problems leisten? Der Engpass ist die Fähigkeit, bei Gründungsvorhaben die Spreu vom Weizen zu trennen und einen echten Beitrag zum Aufbau eines Unternehmens zu leisten. Dies erfordert hohe Professionalität und den Nachweis unternehmerischer Aufbau- und Umsetzungserfahrung seitens des Betreuers. Spezialisierung ist gefragt, um angesichts verschärften Wettbewerbs unter den Kapitalanbietern den Mehrwert dereigenen Betreuungsleistung deutlich machen zu können. Dabei werden die Margen enger, die Dauer der Beteiligung wird ungewiss. Diejenigen Inkubatoren, die Verbundeffekte für ihre Beteiligungsunternehmen realisieren können sowie Zeit- und Kostenvorteile bieten, werden die Nase vorne haben.

Deutlich wird, dass die bloße Bereitstellung von Büroräumen oder Kapital seitens der Inkubatoren heute keine ausreichenden Differenzierungsmöglichkeiten mehr bieten. Das Wettbewerbsumfeld ist unscharf geworden und hat eine Vielzahl von Inkubationsvarianten hervorgebracht, die sich teilweise schwer voneinander abgrenzen lassen. Hierzu zählen Acceleratoren, Early Stage-VCs, Venture Catalysten, Matching Services oder New Economy-Berater, die alle mehr oder weniger dieselbe Kernleistung des Ausbrütens von Unternehmensideen bieten und mit ihrer Betreuungsleistung im Wettbewerb um Startups stehen. Wenn Inkubation also weiterhin eine Zukunftsberechtigung haben will, muss Antwort auf eine Reihe kritischer Fragen gegeben werden: Spiegelt sich der Mehrwert der Betreuung in der Bewertung der Startups wieder? Werden sich Top Teams überhaupt einen Betreuer suchen? Wie kommen Inkubatoren an gute Fälle und wird es hier herausragende Referenzfälle erfolgreicher Inkubation geben? Derzeit erleben wir ein noch nicht eingespielt es Geschäftsmodell in einer sehr instabilen Marktsituation. Der
Bedarf an Inkubation ist ohne Zweifel vorhanden und unter bestimmten Voraussetzungen kann es auch gelingen, bei Startups durch die Betreuung einen echten Mehrwert zu schaffen. Die Qualität der Betreuungsleistung lässt sich wie oben aufgezeigt anhand konkreter Leistungsanforderungen festmachen. Inkubation, die diesen Qualitätsanforderungen genügt, hat die Chance, wirtschaftliche Existenzberechtigung zu erlangen.

(Die Power-Point Folien zu diesem Vortrag können Sie sich hier gerne als PDF-Dokument herunterladen.)
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Autor
  • Stefan Jugel
    Prof. Dr. Stefan Jugel

    Prof. Dr. Stefan Jugel (http://www.stefanjugel.de) ist Inhaber eines Lehrstuhls für Internationales Marketing an der University of Applied Sciences / FH Wiesbaden (http://fh-web1.informatik.fh-wiesbaden.de/go.cfm?fb=14&lpid=1&sprachid=1&sid=0). Seit Jahren ist er begleitend zu seiner Lehrstuhltätigkeit in verschiedenen Funktionen im Startup-Bereich tätig:...

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