Interview mit Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger - Die Quote ist Türöffner für eine umfangreiche Kulturarbeit
DMR: Vor rund einem Jahr haben Sie die Einführung einer Quote für weibliche Führungskräfte in der Deutschen Telekom Gruppe verkündet. Dies hat neue Impulse in die öffentliche Debatte im Hinblick auf die Chancengleichheit für Frauen gebracht. Hat Sie die Intensität der Diskussion überrascht?
T. Sattelberger: Persönlich erfüllt es mich mit Genugtuung, dass der gesellschaftliche Diskurs zu diesem „eingeschlafenen“ Thema wieder voll entfacht ist. Die Diskussion war überfällig, denn es bringt nun einmal überhaupt nichts, sich schönzureden, man habe alles Menschenmögliche – von Frauen-Mentoring bis Kinderkrippe – getan, um das Problem der Unterrepräsentiertheit von Frauen in Führungspositionen zu lösen. Denn es war doch offensichtlich, dass wir uns hier wie Hamster im Rad bewegten: immer mehr des gleichen ohne wirklichen Veränderungserfolg.
DMR: Wie waren die Reaktionen der Mitarbeiter zu der Maßnahme?
T. Sattelberger: Der gesamte Vorstand der Deutschen Telekom mit René Obermann an der Spitze hat sich dazu entschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen und einen neuen, wirksameren Hebel anzusetzen. Dies war ein deutliches Signal. Ähnlich vehement wie draußen wurde und wird die Diskussion um die Quote in unserem Konzern geführt. Denn die Quote ist kein Selbstzweck, sie ist Türöffner für eine umfangreiche Kulturarbeit, sie ist die Keimzelle für die Entfaltung umfassender Vielfalt bei der Telekom, und das geht jeden etwas an.
DMR: Haben sich Ihre Erwartungen hinsichtlich der bisherigen Ergebnisse erfüllt?
T. Sattelberger: Nach einem Jahr Frauenquote haben wir unsere ersten Meilensteine erreicht – was die quantitativen wie die qualitativen Ergebnisse anbelangt. Wir haben sehr viel Herzblut, aber auch finanzielle Investitionen in diese bindende Selbstverpflichtung gesteckt. Damit sind vor allem eine umfangreiche Kulturarbeit, Betreuungsinfrastruktur und ein großer logistischer Aufwand verbunden, und das erste Jahr Frauenquote stand vor allem im Zeichen der „Graswurzelarbeit“. Wir haben das Fundament für den Wandel gelegt – und alle DAX 30 Unternehmen gehen jetzt den Weg, den die Telekom eingeschlagen hat.
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