Supply Chain Management (SCM) fokussiert ganzheitliche Logistikprozesse für alle beteiligten Unternehmen. Die Koordination erfolgt über die Unternehmensgrenzen hinweg vom "Lieferanten des Lieferanten" bis zum "Kunden des Kunden". Durch die enge Verzahnung sollen Lagerbestände über die gesamte Wertschöpfungskette so gering wie möglich gehalten (z.B. durch Vermeidung des sog. "Bullwhip-Effekts"), Durchlaufzeiten beschleunigt und eine hohe Termintreue gewährleistet werden. SCM-Projekte sind jedoch zum Scheitern verurteilt, wenn die Akzeptanz des Top Management zur Kooperation fehlt:
- Eine unternehmensübergreifende Integration erfordert die Offenlegung von Beständen, Marketing-Aktionen und Abverkäufen etc. und damit gegenseitiges Vertrauen.
- Für die Optimierung benötigt man verbundene DV-Systeme mit leistungsfähigen Algorithmen, die sich an der engpassorientierten Planungsphilosophie anlehnen (Advanced Planning Systems von ERP-Systemanbietern oder von spezialisierten Softwareherstellern). Insbesondere ist dabei auf die Integration von Backend-Systemen zu achten.
- Die Anpassung der Daten muss in Echtzeit erfolgen, um eine Steuerung auf operativer Ebene zu ermöglichen.
Als Determinanten für ein erfolgreiches SCM-Konzept gelten weiterhin Strategie, Prozesse, Organisation, Kennzahlen- und Informationssysteme, die sich gegenseitig beeinflussen:
- Herausragende Bedeutung hat die Supply Chain-Strategie, deren gegenwärtiger Stellenwert oft nur auf Transport-, Umschlag- und Lageraktivitäten beschränkt bleibt. Um angestrebte Unternehmensziele erreichen zu können, muss sie jedoch Ansätze für die Leistungsziele (z.B. Lieferzeit), Leistungsbewertung, Wertschöpfungstiefe sowie Integrationsgrad der Kunden, Lieferanten und anderen Dienstleistern liefern. Unterstützung für die Optimierung von Geschäftsprozessen gewährleistet das SCOR-Referenzmodell des Supply Chain Council. Es basiert auf dem Grundgedanken, dass sich alle Aufgabenstellungen und Aktivitäten im SCM den vier Grundprozessen Planen, Beschaffen, Herstellen und Liefern zuordnen lassen.
- Für die Entwicklung gemeinsamer, verbindlicher Pläne ist die Koordination zwischen den Geschäftspartnern z.B. durch ein zentrales Gremium zu regeln.
- Steuerung, Analyse und Benchmarking der Logistikprozesse sollen durch wenige wichtige Kennzahlen (im Rahmen einer Balanced Scorecard oder eines wertorientierten Kennzahlensystems) erfolgen. Hierunter fallen Betrachtungen von Kosten-Service-Relationen und Bewertungen künftiger Entwicklungen.
- Es ist ein Informationssystem zu implementieren, das alle relevanten Daten integriert. Neben der Abbildung von Materialflüssen besteht die Aufgabe in der Verknüpfung und Synchronisation mit Daten aus finanztechnischen Strömen sowie mit logistik- und rechtsrelevanten Informationen. Als Austauschstandard für Produktkataloge steht z.B. BMEcat zur Verfügung. Mit eCI@ss haben führende deutsche Unternehmen eine einheitliche Beschreibung von Produktklassen und -merkmalen erarbeitet.
Für das Zusammenspiel der Unternehmen kann das Bild eines Staffellaufs aus der Leichtatlethik herangezogen werden: Entscheidendes Erfolgskriterium im Wettkampf ist die Stabübergabe. Komplexitätssteigernd wirkt sich jedoch aus, dass jedes Unternehmen i.d.R. parallel in mehreren Lieferketten involviert ist.
Spezifische C-Commerce-Potenziale erschließen sich beim SCM durch elektronische Marktplätze (E-Markets), die als Informationsdrehscheibe u.a. eine gemeinsame Planung unterstützen. Hierbei handelt es sich um Internet-basierte Handelsplattformen, die Angebot und Nachfrage auf einer Website zusammenbringen. Horizontal strukturierte Marktplätze bieten ihre Leistungen branchenübergreifend an. Vertikale Marktplätze konzentrieren sich demgegenüber auf eine Branche. Die Konzentration oder Ausrichtung elektronischer Marktplätze kann Käufer-orientiert, Verkäufer-orientiert oder neutral sein.
Gegenwärtig erschwert die Vielzahl an unterschiedlichen Marktplätzen eine performante Koppelung mit dem SCM-Gedankengut. Im Anschluss an eine Marktplatz-Bereinigung integriert C-Commerce-orientiertes SCM idealerweise durchgängig die Informationen aller Geschäftspartner. Zukünftig werden aus traditionellen, linear orientierten Supply Chains komplexe Wertschöpfungsnetzwerke mit neuen Strukturen und Verflechtungen entstehen.
(Mit freundlicher Genehmigung übernommen von Computer@Produktion.)
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