BMÖ*-Vorstand Dkfm. Heinz Pechek erklärt in gewohnt prägnanter Weise die Wesenszüge des Einkaufs, seine Bedeutung in der Supply Chain, warum junge Leute sich für den Beruf begeistern könnten und worin die aktuelle Herausforderung des Einkäufers in Krisenzeiten liegt.
Dispo: Wie stellt sich die gegenwärtig weltweit kritische Lage in der Wirtschaft für den Einkaufsexperten dar? Worin liegen die neuen Herausforderungen?
Pechek: Wir befinden uns in einer ausgewachsenen Krise der Realwirtschaft. Das sieht man an den täglich schlimmer werdenden Meldungen aus der Industrie, hier vornehmlich der Automobilindustrie und deren Zulieferern. Aber auch ganze Staaten können bankrott gehen, wie Island, oder, nach jüngsten Aussagen von Gouverneur Arnold Schwarzenegger auch so solide, expansive und optimistische Staaten wie Kalifornien, immerhin die 4.größte Volkswirtschaft der Welt.
Die Herausforderung des Einkaufs während der Phase des Hypes, der Expansion und des sicher unendlichen Wachstums waren knappe Ressourcen und Lieferantenkapazitäten, steigende Preise, wenig Spielraum und Angebotsmacht. Heute ist es generell umgekehrt: Rohstoff- und Energiepreise, aber auch Preise von Commodities purzeln ins schier Bodenlose - nur übertroffen von Aktienkursen - und Kapazitäten stehen - mangels Aufträgen -leer. Und das Fatale daran: niemand weiß, warum und wieso dies so schnell und so dramatisch kam. Der Einkauf steht nun in der Situation vor einer zweifachen Herausforderung: einerseits fehlen seinem Unternehmen oft selbst die Aufträge -Umsatzeinbrüche von bis zu 50% sind derzeit keine Seltenheit - , anderseits haben Lieferanten Überkapazitäten und versuchen mit allen Mitteln , Kapazitäten im Markt zu platzieren. Oft ist der Einkauf aber durch langfristige Verträge gebunden und kann- trotz Panik mancher Lieferanten - oft aus ungünstigen Verträgen nur schwer aussteigen, gleichzeitig muss er auch Bestell- und Liefermangen kappen oder auf einen späteren - ungewissen - Lieferzeitpunkt verschieben. Gleichzeitig muss der Einkauf aber auch Maßnahmen setzen, um sein Top-Zulieferer am Leben zu erhalten, er braucht sie ja - jetzt und später wieder. Was ist zu tun? Bei sinkenden Auftragsmengen des eignen Unternehmens und fallenden Preisen, Zulieferer zu stützen. Sowohl Unternehmen, hier die Einkäufer als auch der Staat wird eingreifen müssen, um Unternehmen am Leben zu erhalten.
Dispo: Was sagt die EU dazu? Schließlich sind das staatliche Subventionen?
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