Russland als Beschaffungsmarkt bietet für europäische Unternehmen zunehmend attraktivere Rahmenbedingungen. Die Gründe sind vor allem die Stabilisierung der wirtschaftspolitischen Lage sowie fortschreitende Reformen zur weiteren Liberalisierung und Öffnung der russischen Wirtschaft nach außen.
Die signifikanten Produktionskostenvorteile liegen vor allem in Bereichen Lohnkosten, Energie und Mieten. Diese können insbesondere bei arbeitsintensiven Standardprodukten erzielt werden. Vor dem Hintergrund des technologischen Potentials und gut ausgebildeter Arbeitskräfte ist die Erzielung von Kostensenkungen auch bei technologisch anspruchsvolleren Produkten möglich. Hier wird jedoch das Problem der "planwirtschaftlichen Vergangenheit" der meisten produzierenden Betriebe in Russland deutlich. Die Strukturen der Planwirtschaft sind für ihre Ineffizienz sowie mangelnde Anreize zur Innovation der Produkte und Prozesse bekannt. Auch nach der Privatisierung in den neunziger Jahren bekamen die frisch gebackenen Privatunternehmen in Folge der makroökonomischen Instabilität sowie meist fehlender Konkurrenz nur wenig Motivation für Investitionen in neue Technologien. Sie waren vielmehr auf die kurzfristige Gewinnerzielung bedacht.
Die Folge davon ist ein technologischer Rückstand, der in vielen Bereichen 20 bis 30 Jahre zur Industrie des Westens beträgt. Das vorhandene technische Know-how des Landes, das vor allem in der Militär- und Raumfahrtindustrie generiert und akkumuliert wird, schlägt sich im Ausbildungsniveau der Ingenieure nieder, jedoch nicht unmittelbar in kommerziellen Produkten und betrieblichen Prozessen. Die beschriebene Lage schränkt den Handlungsraum auf dem Beschaffungsmarkt Russland ein, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten.
Lesen Sie das Kapitel "Lieferantensuche, -auswahl und -bewertung" von Manfred Janoschka aus dem Buch "Einkaufen und Investieren in Russland" mit freundlicher Genehmigung des CfSM - Centrum für Supply Management GmbH.
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