Im Rahmen der Konzentration auf Kernkompetenzen reduzierten viele Unternehmen in der Vergangenheit ihre Wertschöpfungstiefe und gingen strategische Kooperationen mit ihren Zulieferern ein, wodurch sich weit verzweigte mehrstufige Beschaffungsnetze entwickelten (vgl. Picot). Aspekte der Planung und Koordination der Material- und Informationsströme in derartigen Kooperationsformen sind seit vielen Jahren ein zentraler Gegenstand ökonomischer Forschungsarbeiten im Rahmen des Supply Chain Managements (vgl. Corsten).
In diesem Zusammenhang wird in der Literatur häufig der Bullwhip-Effekt (oder auch Forrester-Aufschaukelung) genannt, dessen Beherrschung in mehrstufigen Beschaffungsnetzen ein zentrales Problem darstellt. FORRESTER identifizierte 1958 dieses Phänomen der zeitlich und entlang der Versorgungskette kumulierenden Bestellmengen und Lagerbestandsschwankungen und die damit verbundenen Störungen der materialwirtschaftlichen Abläufe. Mit Hilfe eines edv-gestützten Modells untersuchte er in einem vierstufigen Distributionssystem (Einzelhandel, Großhandel, Fabrikzentrallager, Fertigung) das Anpassungsverhalten auf eine sprunghafte Erhöhung der Kundenaufträge (vgl. Forrester, Lee). Eine 10 prozentige Zunahme der Bestellungen des Endkunden führte demnach zu einer 40 prozentigen Zunahme des Produktionsausstoßes am Ende der Versorgungskette. Es zeigte sich, dass die Amplitude der Schwankungen ausgehend vom ursprünglichen Impuls auf der Einzelhandelsstufe mit jeder nachfolgenden Stufe systematisch vergrößert wird (vgl. Klaus). Neuere Untersuchungen von MORRICE und ANDERSON haben das Anpassungsverhalten in dem genannten Szenario anhand eines Simulationsmodells bestätigt (vgl. Anderson und Morrice).
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