Wertströme statt Bilanzen (TEIL II) - Liquiditätssicherung durch operative Leistungskennzahlen im Industriebetrieb
Bewertung der Liquidität 1. Grades
Zähler: Flüssige Mittel und Zahlungsziele
Zu den flüssigen Mitteln zählen gemeinhin Barmittel in der Kasse oder auf der Bank, Schecks und Wechsel sowie Wertpapiere des Umlaufvermögens. Diese Zahlungsmittel entstehen als Ergebnis abgestimmter Debitoren- und Kreditorenzahlungsziele. Idealerweise sind die eingeräumten Zahlungsziele bei Debitoren kürzer als bei Kreditoren. Alternativ sollte die Kassenreichweite in Tagen [d] plus Debitorenziel [in d] plus Sicherheit [in d] größer sein als das Kreditorenziel [in d].
Zu beachten ist unbedingt, dass flüssige Mittel nur eine Momentaufnahme darstellen. Insofern ist die Kennzahl ‚Liquidität ersten Grades‘ nicht sehr aussagefähig, sondern lediglich stichtagsbezogen. Es ist daher umso wichtiger, dass jedes Unternehmen eine zeitraumbezogene Statistik des Mittelabflusses aufzeichnet und danach den Zahlungseingang steuert, im Normalfall durch aktives Forderungsmanagement. Erfahrungsgemäß steigt der Liquiditätsbedarf zum Monatsende, zum Beispiel durch die fälligen Lohn- und Gehaltszahlungen, und fällt nach der Umsatzsteuerzahlung zum 10. des Monats. Im Einzelnen hängt dies jedoch stark vom Unternehmenstyp ab. Ein Serienfertiger mit stetigem Absatz wird einen anderen Zahlungseingang und -ausgang haben als etwa ein Anlagenbauer oder ein Handelsunternehmen. Generell gilt, dass der Zahlungsausgang mit zeitlichem Abstand dem Zahlungseingang folgen muss. Ist die zeitliche Differenz dauerhaft ausreichend groß, empfiehlt es sich für Betriebe, mit ihrer Hausbank eine Vereinbarung zu treffen, die nicht benötigte Liquidität zinsgünstig anzulegen, aber gleichwohl jederzeit liquide zu sein.
Nenner: Kurzfristiges Fremdkapital
Das kurzfristige Fremdkapital ist eine Passiva-Position in der Bilanz, dessen Laufzeiten im Allgemeinen unter einem Jahr liegen. Zum kurzfristigen Fremdkapital gehören Lieferanten- und Kontokorrentkredit, Wechselkredit, Akkreditiv und sonstige Verbindlichkeiten wie etwa erhaltene Anzahlungen, Garantierückstellungen oder Steuerrückstellungen. Nach Möglichkeit sollte das kurzfristige Kapital nur dazu genutzt werden, die laufenden Ausgaben zu bestreiten, also Liquidität zur Sicherung der Betriebsleistung bereitzustellen. Keinesfalls dürfen etwa über Kontokorrent Investitionen mit langfristigen Zahlungsverpflichtungen finanziert werden. Anlagevermögen muss grundsätzlich mit Eigenkapital oder langfristigem Fremdkapital finanziert werden.
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