Führungsqualität messbar machen mit dem Führungsfeedbackbogen
Der Löwenanteil der Kosten im Krankenhaus fallen auf den Personalbereich. Er macht zirka 70 Prozent aus. Es ist offensichtlich: wer diesen Kostenblock nicht steuern kann, hat unter den Bedingungen von Fallpauschalen das Nachsehen. Selbstverständlich ist es wichtig, sowohl auf der Einnahmenseite als auch der Ausgabenseite (Tarifvertrag) verlässliche und angemessene Entgelte als Rahmenbedingungen zu wissen. Doch nicht minder wichtig, letztlich sogar entscheidend ist, wie ein Haus zwischen In- und Output wirtschaftet. Ob der richtige Mann oder die richtige Frau an der richtigen Stelle sitzt, ob Mitarbeiter optimal aus- und ständig weitergebildet werden, ob die Arbeitsorganisation optimal, die Zusammenarbeit im Team harmonisch und motivierend, das Image in der Bevölkerung positiv ist, all das entscheidet über die Produktivität. Zwischen In- und Output ist Produktivität das entscheidende Bindeglied.
Und wer steuert die Produktivität?
Das sind die Führungskräfte einer Organisation. Die Qualität ihrer Arbeit macht Krankenhäuser ‑ zum Teil unabhängig von den Rahmenbedingungen ‑ erfolgreich. Doch die Entwicklung guter Führung steht im Krankenhaus, im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsbranchen, noch immer nicht im angemessenen Fokus der Aufmerksamkeit. Sicher, man verpflichtet ärztliche Spezialisten, besorgt hochwertiges medizintechnisches Equipment, vielleicht führt man sogar ein Qualitätsmanagement ein. Doch dies reicht nicht aus: Führung ist eine eigene Disziplin. Welche Führungskraft hat das Führen so gelernt wie den eigentlichen Beruf ‑ und wer gibt schon gerne zu, dass er das Führen eben nicht wirklich gelernt hat? Um betriebliche Probleme zu meistern, wird es immer wichtiger, nicht nur fachlich den Überblick zu haben, sondern auch Mitarbeiter aktiv und klar zu führen. Fehlende Führungskompetenz erzeugt Reibungsverluste und schadet dem Betriebsklima; vermindert somit die Produktivität.
Führung braucht Klarheit, um effektiv zu werden. Führungskräfte und Mitarbeiter müssen sich austauschen und Verbesserungen vereinbaren, um produktiver arbeiten zu können. Und dieser Umstand verhindert oft, dass man an die Optimierung geht: Führungskräfte fürchten, dass es zu Gesichtsverlust kommt, Mitarbeiter blocken ab aus Angst vor negativen Konsequenzen. Kritik wird nur hinter vorgehaltener Hand oder indirekt geäußert ‑ alles bleibt, wie es ist.
Der Führungsfeedbackbogen (FFB)
Es gibt einen Weg aus diesem Dilemma: Der Einsatz eines Führungsfeedbackbogens (FFB). Führungskräfte und Mitarbeiter füllen jeweils einen Fragebogen aus, der sich auf das Führungsverhalten bezieht. Das dauert lediglich 30 Minuten. Im Bogen geht es um Aspekte wie: Ziele managen, Informieren und Fördern, Zusammenarbeit gestalten, Arbeitsabläufe optimieren usw. Die ausgefüllten Bögen (Selbst- und Fremdbild) werden an unseren Lehrstuhl an der Universität zu Köln geschickt und die Antworten zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst ‑ der einzelne Mitarbeiter bleibt anonym. Der Führungskraft werden dann in einem Bericht Selbst- und Fremdeinschätzung gegenüber gestellt und erläutert. Die Führungskraft kann sich außerdem mit anderen Kollegen im Unternehmen oder der Branche vergleichen. In der Regel werden so schnell Ansatzpunkte für Verbesserungen auf beiden Seiten deutlich.
Ergebnisse einer Studie über den FFB-Einsatz
In einer aktuellen Studie wurde der FFB an fünf Kliniken und Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eingesetzt. Die aktuelle Fassung des Führungsfeedbackbogens (FFB) berücksichtigt die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema „erfolgreiches Führen“. Die Führungskräfte erhalten nicht nur eine Antwort auf die Frage: „Welche Stärken und Entwicklungspotenziale sehen meine Mitarbeiter in meinem Führungsverhalten?“ Sie können ihre Ergebnisse auch mit den Ergebnissen der Führungskräfte im eigenen Haus und darüber hinaus mit denen der Branche vergleichen.
Insgesamt hatten 52 Führungskräfte an der Studie teilgenommen, sie wurden von insgesamt 435 Mitarbeitern eingeschätzt. Nunmehr liegen die Ergebnisse dieser Studie, die Teil eines umfassenderen Forschungsprogramms ist, vor. Insgesamt bewerten die FFB-Teilnehmer das Führungsverhalten ihrer Vorgesetzten als leicht überdurchschnittlich positiv ausgeprägt. Die Selbsteinschätzungen liegen geringfügig über den Fremdeinschätzungen, insgesamt aber nahe beieinander. Es zeigen sich allerdings auch deutliche Unterschiede. So bekommen die Mitarbeiter des Pflegedienstes, im Vergleich zum Ärztlichen und Verwaltungsdienst, insgesamt die höchste Einschätzung. Während im Pflegedienst die Übereinstimmung zwischen Fremdeinschätzungen und den Selbsteinschätzungen groß ist, zeigen sich im Ärztlichen sowie im Verwaltungsdienst Diskrepanzen: Die Mitarbeiter schätzen die Führungskräfte niedriger ein als diese sich selbst, Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzungen klaffen auseinander. Das lässt den Schluss zu, dass in diesen Bereichen noch Verbesserungspotenzial schlummert. Weil aber nicht nur der Ist-, sondern auch der Soll-Stand abgefragt wurde, wird auch sehr deutlich, an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht: Dieser zeigt sich in der aktuellen Studie über alle Berufgruppen hinweg in der Dimension „Werte & Motivation“. Darin spiegelt sich offensichtlich die aktuelle Situation im Gesundheitswesen. Die Branche steckt ja in einem grundlegenden Wandlungsprozess und in einer Wertediskussion.
Die Ergebnisse für Personal- und Organisationsentwicklung nutzen
Ein Universitätsinstitut kann mit der Anleitung von Diplomarbeiten und Dissertationen dazu beitragen, ein differenziertes Befragungsinstrument zu entwickeln, das eine solide Basis für Ziel führende Personalentwicklungsmaßnahmen liefert. Zudem kann so die strikte Anonymität der Datenauswertung garantiert werden. Eine Unternehmensberatung kann zusätzlich den Transfer in den Arbeitsalltag der Führungskräfte sicherstellen. Die personal point GmbH, die in dem Projekt FFB kooperiert, leistet dies durch das Angebot an die Krankenhäuser, individuelle Rückmeldegespräche und Umsetzungsworkshops durchzuführen. Unter der Moderation eines erfahrenen Coachs können die Führungskraft und ihr Team Unterschiede in den Erwartungen abklären und gemeinsam die Zusammenarbeit verbessern.
Denn man sollte die Führungskräfte mit solchen Befragungsdaten nicht alleine lassen. Die Einschätzungen der Mitarbeiter sind, wie auch immer sie ausfallen, wertvolle Hinweise, mit denen weiter gearbeitet werden kann und soll, da die Mitarbeiter sich ansonsten bei einer solchen Befragung nicht hinreichend ernst genommen fühlen.
Statt allgemeiner Appelle an den „guten Willen“ oder den Teamgeist kann auf der Basis des FFB-Ergebnisses und unter der Moderation eines erfahrenen Coachs ganz gezielt und spezifisch an konkreten Aspekten des Führungsverhaltens angesetzt werden. Im Bereich Führung gibt es nämlich keine simplen Patentrezepte, sondern individuell abzustimmende Erwartungen: Was dem einen Mitarbeiter beispielsweise zu wenig, ist dem anderen zuviel Ermessensspielraum oder Kontrolle. Oder mangelnde Termintreue erweist sich im Nachhinein als unklare Absprache. Die Führungskraft, der dies bewusst wird, kann individuell führen und Leistung optimieren. Die Mitarbeiter fühlen sich verstanden und sind motiviert.
Nur, wer an sich arbeitet, kann besser werden: „Selbstbewusstsein“ ist die Basis für Verbesserung. Wie auch immer das Gesundheitssystem der Zukunft aussehen wird, gute Führung wird dafür mit Sicherheit von großer Bedeutung sein. Für die Krankenhäuser ist der Einsatz des Führungsfeedbacks darüber hinaus auch im Rahmen des Qualitätsmanagements wichtig, um die Kategorie „Führung“ messbar zu machen. Schaut man sich die einschlägigen KTQ- oder pCC-Kriterien an, wird schnell ersichtlich, welcher spezifische Mehrwert sich durch den FFBEinsatz ergibt. Etliche Häuser prüfen daher den Einsatz des FFB nun auch im Rahmen des Qualitätsmanagements. Die Projektpartner werden weitere Anstrengungen unternehmen, um in Zukunft das Benchmarking auf einer noch breiteren Basis anbieten zu können.
Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung der Baumann Fachverlage zur Verfügung gestellt. Die "krankenhaus umschau" können Sie bequem hier bestellen.
Keine Kommunikationsobjekte vorhanden.

