Zur Annäherung an den Forschungsgegenstand greifen wir auf das Konzept des „Organisationsbürgers“ (Organizational Citizenship Behavior = OCB) zurück, das im organisationsinternen Kontext seit den 1980er Jahren zur Erforschung kooperativer Verhaltensweisen herangezogen wird. Dieses Konzept entwickeln wir sowohl konzeptionell als auch empirisch weiter um es für den Projektkontext fruchtbar zu machen.
In einer zweiteiligen empirischen Studie wurden zunächst 25 qualitative Interviews mit Projektmanagern und Projektmitarbeitern durchgeführt (Phase I). In einer darauf aufbauenden quantitativen Befragung (N=119) wurde ein Messinstrument für kooperative Verhaltensweisen entwickelt sowie deren potenzielle Bedingungen und Folgen auf statistische Signifikanz getestet (Phase II).
Die qualitative Befragung ergab, dass zwei Arten von kooperativen Verhaltensweisen unterschieden werden sollten: solche die sich auf die unmittelbare Projektarbeit beziehen (Project Citizenship Behavior = PCB) sowie solche, die zwischen Projekten erfolgen und einen projektübergreifenden, netzwerkartigen Charakter (Network Citizenship Behavior = NCB) haben. Für beide Typen konnten zentrale, dem OCB nicht unähnliche Merkmale aus dem Datenmaterial abstrahiert werden. Ferner lieferte die Auswertung erste Anhaltspunkte zur Frage, welche Bedingungen kooperatives Verhalten beeinflussen.
Die Auswertung der quantitativen Befragung ergab, dass Maßnahmen des Projektmanagements wie die Durchführung von Kick-Off-Veranstaltungen und die Förderung des Einander-Kennenlernens zu Projektbeginn durchaus einen Nährboden für kooperative Verhaltensweisen schaffen können. Als besonders funktional mit Blick auf die Erreichung von Projektzielen und zur Verbesserung der zukünftigen Zusammenarbeit erwiesen sich die projektübergreifenden Verhaltensweisen (NCB). In den Handlungsempfehlungen wird darum ausführlich thematisiert, was Projektmanager und Projektmitarbeiter in Bezug auf projektübergreifende Beziehungen beachten sollten.
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