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RFID ‑ Technologie: Neuer Innovationsmotor für Logistik und Industrie?

RFID ‑ Technologie: Neuer Innovationsmotor für  Logistik und Industrie?
Herausgebende Organisation
Universität St.Gallen, Booz Allen & Hamilton
Kompetenz - Index
Online seit
30.9.2005
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RFID ‑ Technologie: Neuer Innovationsmotor für Logistik und Industrie?
Abstract / Inhalt:

Die RFID-Technologie - d.h. das Übertragen von Produkt-Sendungsdaten mittels Funkfrequenztechnologie - bietet interessante Chancen, durch Schaffung höchster Transparenz eine effizientere Steuerung logistischer Abläufe in vielen Industriebereichen zu ermöglichen. Doch erste Pilotprojekte in den letzten Jahren haben zu einer deutlichen Ernüchterung der Beurteilung dieser Technologie geführt. Zum einen erlaubten die hohen Chip-Preise nur für Spezialanwendungen einen wirklich attraktiven Business Case, zum anderen war die Technologie teilweise noch nicht ausgereift.


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RFID ‑ Technologie: Neuer Innovationsmotor für Logistik und Industrie?
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Der/die Autor(en) (1)
RFID ‑ Technologie: Neuer Innovationsmotor für Logistik und Industrie?
Prof. Dr. Elgar Fleisch
Experte
Entscheider
Person
University of St. Gallen, Institute of Technology Management, M-Lab,Swiss Federal Institute of Technology Zurich, Department Management, Technology and Economics
Since 2002 Elgar Fleisch is professor of technology management and director at the Institute of Technology Management at the University of St. Gallen (HSG). Since October 2004 he is also professor of Information Management at the Department of Management, Technology and Economics at the ETH Zurich. After graduating at the Institution of Higher Technical Education in Engineering Elgar Fleisch, a born Austrian, studied business administration and computer science at the University of Vienna and [...]
 
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RFID ‑ Technologie: Neuer Innovationsmotor für Logistik und Industrie?
RFID_2004_Viewpoint.pdf
RFID – Technologie:
Neuer Innovationsmotor für
Logistik und Industrie?
Gemeinsame Studie von Booz Allen
Hamilton und der Universität St. Gallen




                          Frankfurt/St. Gallen
                                         2004
Die RFID-Technologie - d.h. das Übertragen von Produkt-Sendungsdaten
mittels Funkfrequenztechnologie - bietet interessante Chancen, durch
Schaffung höchster Transparenz eine effizientere Steuerung logistischer
Abläufe in vielen Industriebereichen zu ermöglichen. Doch erste
Pilotprojekte in den letzten Jahren haben zu einer deutlichen Ernüchterung
der Beurteilung dieser Technologie geführt. Zum einen erlaubten die
hohen Chip-Preise nur für Spezialanwendungen einen wirklich attraktiven
Business Case, zum anderen war die Technologie teilweise noch nicht
ausgereift.

Die Grundsituation hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich geändert.
Große Handelshäuser wie Wal-Mart in USA oder Metro in Deutschland
haben inzwischen umfassende Pilote zu RFID-basierten Businessanwen-
dungen (z.B. Super-Store) aufgesetzt. Auch das US-Militär hat eine um-
fassende RFID-geprägte Erneuerung seiner Materialwirtschaft ange-
kündigt. Gleichzeitig fallen die Chip-Preise drastisch und große Technolo-
giekonzerne von Intel bis SAP kündigen erhebliche Investitionen in diesem
Bereich an. Inzwischen gibt es weltweit kaum noch eine Logistikkonferenz
auf der nicht RFID als eines der Kernthemen umfassend diskutiert wird
und viele Unternehmen haben begonnen sich mit diesem Thema aus-
einander zusetzen.

Doch unter welchen Rahmenbedingungen macht es wirklich Sinn heute in
RFID-Technologie zu investieren? Welche Chancen bietet die Technologie
für einen fundamentalen Umbau der Geschäftsprozesse wirklich? Um
diese Fragen näher zu beantworten, hat Booz Allen Hamilton gemeinsam
mit dem M-Lab an der Universität St. Gallen europaweit eine empirische
Studie mit insgesamt über 30 führenden Großunternehmen durchgeführt.
Hierbei standen sowohl Transport- und Logistikanbieter als auch Anwen-
der in der Automobilindustrie im Vordergrund, um die gesamte Leistungs-
kette der Logistik breit abzudecken. Insgesamt lassen sich die Ergebnisse
der Studie in folgenden Kernthesen zusammenfassen:
1. Klare Leistungsvorteile primär bei Spezialanwendungen:

    RFID rechnet sich heute insbesondere da, wo aufgrund hoher Nach-
    weispflicht höchste Prozesssicherheit erforderlich wird und zudem ein
    geschlossener Logistikkreislauf (Closed Loop Systeme) die Wiederver-
    wendbarkeit der noch teuren Chips gewährleistet. Führend in der An-
    wendung solcher geschlossenen Systeme ist die Automobilindustrie,
    die seit über 10 Jahren entsprechende Anwendungen in der Produk-
    tionskontrolle erfolgreich einsetzt.

    Offene Systeme (Open Loop Systems), die heute Grundlage der Roll-
    out Pläne im Handel und der Konsumgüterindustrie sind, kommen auf-
    grund der notwendigen hohen Investitionen für Chips, Reader Infra-
    struktur und Systemintegration noch nicht auf ein positives Nutzen-
    Kosten Verhältnis. Hier sind noch erhebliche Anstrengungen erforder-
    lich, um einen positiven Business Case darstellen zu können. Die Roll-
    out Dynamik wird in diesem Umfeld mehr durch die Marktmacht des
    Handels und die proaktive Vermarktung der Technologieanbieter als
    von einem klaren Business Case diktiert. Fakt ist: Die Anwenderin-
    dustrien treiben die Erprobung und den Rollout der RFID-Technologie
    in der Logistik voran.

                       RFID Umsetzung nach Anwendungen und Industrie


                                                                                      Implementierung getrieben
     Handel                                                                           durch offene Systeme
                                                                                      Business Cases nicht
                                                                                      eindeutig
     FMCG
                                                                                      Nutzeneffekt über Supply
                                                                                      Chain Kollaboration

    Pharma

                                                                                      Implementierung getrieben
  Elektronik                                                                          durch geschlossene Systeme
                                                                                      Positive Business Cases
                                                                                      vorhanden
  Automobil                                                                           Nutzeneffekt lokal darstellbar

               0        1             2               3              4    Erträge 5
               Beobachten     Test           Pilot        Roll-Out
                                                                         einfahren

                                       Adoption Status


                            Offene Systeme           Geschlossene Systeme



Abbildung 1: RFID Roll-out Strategien je Industriesegment
Quelle: M-Lab Universität St. Gallen, Booz Allen Hamilton
2. Marketing steht bei Massenanwendungen noch im Vordergrund:

    Die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen schätzen
    RFID-Technologie als strategisch wichtig für die Entwicklung ihres
    Geschäftes ein. Doch selbst die Innovatoren unter den RFID-Anwen-
    dern nutzen das Thema RFID heute noch primär als Marketing-Platt-
    form, um das Unternehmen innovativ zu positionieren. Die realisierten
    und geplanten Investitionen sind vergleichsweise niedrig und gehen,
    wie das Beispiel der Logistikindustrie in Abbildung 2 zeigt, über kleinere
    Pilote selten hinaus. Die Technologieanbieter beteiligen sich häufig an
    der Finanzierung, um entsprechende Referenzcases zu erhalten.

Spielt die RFID Technologie eine strategische                                        In welchem Umfang stellen Sie Mittel
 Rolle für die Entwicklung Ihres Geschäfts?                                             für die RFID Entwicklung bereit?

                                                                             40,0%

                                                                                        35%
                                                                             35,0%
     33%
                                                                             30,0%
                                                   % der Umfrageteilnehmer


                                                                                                      27%

                                                                             25,0%

           Nein                                                                                                     20%
                                                                             20,0%                                                18%


                                                                             15,0%


                                                                             10,0%
                         Ja
                                                                             5,0%

                                       67%                                   0,0%
                                                                                        Nicht      < 250k Euro   < 500k Euro   > 500k Euro
                                                                                     entschieden


                                                                                               Umfang der Investitionen p.a.


Abbildung 2: Strategische Bedeutung der RFID-Technologie in der Logistikindustrie
Quelle: M-Lab Universität St. Gallen, Booz Allen Hamilton
3. Klarer Fokus heute auf Prozesseffizienz:

    Zwar ist die Prozesssicherheit in der Logistik heute oftmals schon hoch,
    doch wird sie vielfach durch einen erheblichen Qualitätssicherungs- und
    Trouble Shooting-Aufwand erreicht. Im Fall eines Automobilherstellers
    betrug die Fehlerrücklaufquote in der Montage ca. 50%. Hier setzt RFID
    heute schon an und hilft, mit lokalen Lösungen in der Produktion die
    Prozesseffizienz deutlich zu steigern. In der Automobilteileversorgung
    entstehen aber zur Zeit, ähnlich wie im Handel, auch überregionale
    Anwendungen (z.B. CKD) zur Organisation und Steuerung von Waren-
    strömen.

    Speziell für die Transport-Dienstleister steht neben der Optimierung der
    Logistikprozesse auch die Erfüllung von Kundenanforderungen im
    Vordergrund. Hier erwartet man durch die angekündigten RFID Roll-out
    Pläne von großen Einzelhändlern wie Wal-Mart, Metro oder Tesco
    erheblichen Änderungsbedarf in der Transport- und Logistikabwicklung.
    Die wenigsten Logistiker denken aber heute bereits konkret über die
    proaktive Entwicklung und Vermarktung von RFID-basierten Lösungen
    für ihre Kunden nach.

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