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RE:Social-Media-Defizite in der Unternehmenskomunikation, im Marketing und in der Strategie

Martin Grothe
Antwort von Prof. Dr. Martin Grothe, complexium GmbH zu Social-Media-Defizite in der Unternehmenskommunikation, im Marketing und in der Strategie von Dr. Michael Faustino Bauer | 4.11.2011, 18:03:32 RE:Social-Media-Defizite in der Unternehmenskomunikation, im Marketing und in der Strategie

Ein Social Media Defizit ist sicherlich oftmals tatsächlich da, aber kein einzigartiges Phänomen.

Es gibt dieses schöne Wort, dass auf Twitter besonders viel von Twitter-Experten und -Beratern über Twitter getwittert wird. Dies ist glücklicherweise nicht mehr zutreffend, das Phänomen wiederholt sich aber gerade mit Google Plus.

So ist es bisweilen diese notwendige, aber sehr zeit- und raumgreifende Werkzeugebene, die den Blick dafür, was die Social-Media-Revolution tatsächlich für Unternehmen bedeutet, leicht überstrahlt.
Fast schon reflexartig wird von Protagonisten darauf hingewiesen, dass die Dialogrevolution einzigartig sei und die traditionelle Organisation per se überfordere. In den Organisationen wird dies noch nicht durchgehend so gesehen, denn “es ging ja bisher auch ohne …”. Allerdings wird eine saisonüberdauernde Relevanz von Social Media mittlerweile von vielen Unternehmen zumindest mit eigenen Überlegungen und Aktivitäten bedacht.

Ich möchte hier die These aufstellen, dass diese Grundkonstellation zum einen überhaupt nicht einzigartig ist, zum anderen aber gleichwohl die meisten Organisationen zumindest sehr deutlich herausfordert, was dann die Dynamik einer Entwicklungsstufe, eines Ordungsbruchs auslöst. Hierbei sei die immense Bereicherung für den einzelnen Nutzer durch Social Media ausgeklammert: Betrachtet wird die Bedeutung für Unternehmen. So verliert sich mit etwas Abstand und einer Organisationsperspektive das Besondere an dem Phänomen, was aber gar nicht schlimm ist. Ziehen wir doch einmal zwei Vergleiche:

Qualitätsmanagement war auch zuerst so eine Zumutung: Genau genommen eine große Frechheit, den etablierten Produktions- und Logistikbereichen zu unterstellen, sie würden nicht (mehr) ausreichend auf Qualität achten. “Was bilden sich diese jungen Beraterspunde eigentlich ein – die können nicht mal einen Gabelstapler fahren” mag der eine oder andere Fertigungsleiter gedacht haben. “Wieso plötzlich neue Methoden einsetzen? Fischgräten-Modell? Wieso eine neue, zentrale Abteilung aufbauen, mitunter in der Folge gar ein neues Ressort in der Geschäftsführung?”

Controlling genauso. “Wir haben doch immer schon auf Kosten geachtet. Und ist euch nicht klar, welchen Aufwand diese ganzen Planungen und Hochrechnungen und Budgetrunden bedeuten? Was heißt ‘Koordination durch Pläne’?” Auch hier entstanden nach und nach neue Abteilungen, die relativ gesehen bisher nicht (mehr) ausreichend vorhandene Organisationsfähigkeiten stärken. Mitunter mit dem Zusatz, dass diese neuen Bereiche nur so lange eine Berechtigung hätten, bis die Organisation insgesamt gelernt hat. In the long run …

Parallel lässt sich nun auch die Social-Media-„Bewegung“ einordnen: Eine bestimmte Organisationsfähigkeit erhält im fortentwickelten Umfeld eine Bedeutung, die mit den bestehenden Strukturen und Abläufen nicht mehr abgebildet werden kann. Durch externe Anforderungen und Entwicklungen reicht das vorhandene Fähigkeitsniveau nicht aus. Erst die Fertigungsqualität (im Nachlauf Lean Production / Lean Management), dann Planung und Koordination, nun die multiple Dialogfähigkeit einer Organisation.
Mehr unter http://www.complexium.de/?p=893

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  • Michael Faustino Bauer
    Antwort von Dr. Michael Faustino Bauer, complexium GmbH zu RE:Social-Media-Defizite in der Unternehmenskomunikation, im Marketing und in der Strategie von Prof. Dr. Martin Grothe | 25.11.2011, 11:45:12 RE:RE:Social-Media-Defizite in der Unternehmenskomunikation, im Marketing und in der Strategie

    Das sind spannende Parallelen, die hier gezogen werden. Wenn Social Media also "..has come to stay.." dann würde mich interessieren, wie - das heute in die Strategien für Markt, HR und v.a. auch darüber hinaus bereichsübergreifend einbezogen wird => welche erfolgversprechenden Ansätze / Best Practices gibt es schon? ... mehr

    Das sind spannende Parallelen, die hier gezogen werden.
    Wenn Social Media also "..has come to stay.." dann würde mich interessieren, wie

    - das heute in die Strategien für Markt, HR und v.a. auch darüber hinaus bereichsübergreifend einbezogen wird
    => welche erfolgversprechenden Ansätze / Best Practices gibt es schon?

    - der nach Ihrer These notwendige Change Prozess begleitet werden kann und sollte
    => Erfolgsfaktoren, Learnings aus den anderen Change-Prozessen, Beteiligte etc.

    Meine Erfahrung aus vielen Kontakten und Gesprächen, v.a. im Umfeld der Marketer, PR-ler und auch Unternehmensberater ist, dass

    - für den eigenen Bereich (marketing, hr) sehr schnell operativ vorgegangen wird, um ganz praktisch heutige Ziele und KPIs zu erreichen; social media as "just another channel" und "störungsfreie Eingliederung in business as usual"

    - oft einzelne Pioniere für diese Projekte die Treiber sind, die versuchen, einen integrierten und bereichsübegreifenden Ansatz zu finden; da wird viel Energie reingesteckt, das ist oft personenabhängig und noch lange nicht beim Cxx-Level als strategische Aufgabe anerkannt

    - durch Agenturen, Berater und andere Dienstleister social media "einfach mal mit angeboten wird"; entsprechend ist die Bandbreite der tatsächlichen Leistungen und Kompetenzen sehr groß.

    Die Gefahr besteht m.E. nach deshalb, dass einerseits ein Social Media Defizit entweder "quick and dirty" vermeintlich behoben wird. Aber weiter und wie ich finde schlimmer: unbeachtet schwelt.
    Oder andererseits vor einer genauen Analyse des Defizits im Hinblick auf dessen Bedeutung für die Unternehmensziele, - strategie und -prozesse bereits ein und durch Externe getriebener, teurer Lösungsansatz installiert wird.
    Wenn dann so ein System oder Leistungspaket mal angelaufen ist, kommen alle bekannten Orga-/People-/SupplierRelations-Mechanismen in Bewegung.
    Nur: in die richtige Richtung?

    Über konstruktiv kritische Beispiele und Gedanken zu dieser Diskussion freue ich mich sehr!

    Einige Links dazu auf der Competence Site
    Beispiel Siemens IT Solutions and Services (jetzt ATOS)
    http://www.competence-site.de/social-media-marketing/Vom-Old-Boys-Netzwerk-zu-Social-Networking

    Die Diskussion mit etlichen Experten
    http://www.competence-site.de/social-media-marketing/answer-Joerissen-Ueberwiegen-fuer-Social-Media-B2B-Bereich-Risiken-oder-Chancen 
Weitere Informationen im Internet