11.07.2012

Zwei Studien zum Einsatz von Social Media in Unternehmen machten kürzlich im Netz die Runden. Die eine wurde von Google in Auftrag gegeben, die andere stammt aus der Feder der BITKOM, dem renommierten IT-Verband in Deutschland. Es lohnt sich, beide mal hier nebeneinander zu betrachten.


Dass die Ergebnisse der Google-Studie eindeutig nur den Nutzen von Social Media hervorheben, ist kaum verwunderlich. Hier waren offensichtlich die Autoren der Studie bereits vor der Auswertung schlauer. Viel interessanter sind aber einige, nicht näher erörterte Teilaspekte zu Deutschland, die auch zu den Ergebnissen der BITKOM-Studie passen.

Was fällt auf? Zunächst einmal, dass Deutschland von den sieben teilgenommenen Ländern an letzter Stelle rangiert. Mit nur 53 % ist Deutschland Schlusslicht bei der Verwendung sozialer Medien, weit hinter Spanien oder Italien (beide 74 %). Dabei zählen Spanien und Italien nicht zu den wirtschaftlich erfolgsreichsten Ländern in Europa und gerade die technikbegeisterte Jugend, der man gemeinhin Social Media zuschreibt, treibt die Perspektivlosigkeit oftmals ins Ausland zu uns. Erstaunlich. Wie passt das bloß zusammen?

Besonders erwähnenswert erscheint hier auch das Ergebnis, dass kein Land so wenig Bedeutung von Social Media für das Humankapital beimisst wie Deutschland. Nur 27 % versus 59 % im Gesamtdurchschnitt gaben an, dass Social Media bei der Anwerbung und Bindung von guten Mitarbeitern nützlich sei.

Zu fast den gleichen Zahlen kommt auch die BITKOM-Studie, auch wenn sie keine internationalen Vergleichszahlen liefert. Für den Gebrauch von Social Media bei HR-Aktivitäten weist die Studie sogar nur einen Wert von 8 % aus!

Wenn es also um das Thema „Social Media“ geht, scheint die deutsche Wirtschaft doch eher zurückhaltend zu reagieren. Das bekräftigt auch explizit die BITKOM-Studie: Deutsche Unternehmen würden gar nicht mal so häufig auf Social Media wegen der Kosten verzichten, sondern es ist schlichtweg der mangelnde Glaube an den Sinn und Zweck („Unsere Zielgruppe erreichen wir in Social Media nicht.“) sowie die Angst vor Neuem („Die rechtlichen Unsicherheiten schrecken uns ab.“)

Trotzdem scheint es uns hierzulande nicht schlechter zu gehen. Ganz im Gegenteil. Womöglich ist eine zögernde Zurückhaltung geradezu förderlich für eine solide wirtschaftliche Entwicklung. Oder mal nachgefragt: Hätte Facebook auch mit ausschließlich deutschen Abnehmern so viel Kapital aus seinem gut inszenierten Aktien-Hype schlagen können oder hätten nicht doch die skeptischen Deutschen die offenkundige Überzeichnung verhindert?



Quellen:
Google / MillwardBrown, How social technologies drive business success (http://services.google.com/fh/files/misc/google_emea_social_report_2012.pdf)
BITKOM, Social Media in deutschen Unternehmen (http://www.bitkom.org/files/documents/Social_Media_in_deutschen_Unternehmen%283%29.pdf)