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Als Jurist oder Betriebswirt in eine Top-Kanzlei: Karriere-Interview mit Dr. Hötzel von Flick Gocke Schaumburg

Oliver Hötzel
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k. A.
Beschreibung
Name: Dr. Oliver Hötzel
Unternehmen: Flick Gocke Schaumburg
Funktion im Unternehmen: Partner, WP/StB

Herr Dr. Oliver Hötzel ist Partner der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg, einem der führenden Unternehmen der Branche in Deutschland. Seine Beratungsschwerpunkte sind Unternehmensakquisitionen und Umstrukturierungen, Unternehmensbewertung sowie das Konzern- und Bilanzsteuerrecht. Im Interview berichtet Dr. Hötzel über Chancen und Herausforderung seiner Tätigkeit.

Sehr geehrter Herr Dr. Hötzel,
Sie sind Partner einer der führenden Kanzleien Deutschlands. Für viele Juristen ist dies ein "Traum-Job". Welche persönlichen Eigenschaften zeichnen Rechtsanwälte, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer aus, die für FGS tätig werden? Welche fachlichen Voraussetzungen wie überdurchschnittliche Examina, eine Promotion oder sonstige Zusatzqualifikationen (z.B. LLM) sollte ein Mitarbeiter mitbringen? Was sind die besonderen Anforderungen an zukünftige FGS-Partner?

Dr. Hötzel:
Der hohe Qualitätsstandard, für den wir in der Bundesrepublik und mittlerweile auch grenzüberschreitend bekannt sind, basiert naturgemäß vor allem auf der überdurchschnittlichen fachlichen Qualifikation unserer Partner und Mitarbeiter. Dementsprechend legen wir die Messlatte für den Ausbildungsstand unserer Mitarbeiter hoch. Gute Examina sind hierfür ein erster Baustein, wobei wir auch die Erfahrung gemacht haben, dass sich mancher Bewerber mit nur durchschnittlicher "Papierform" als hervorragende Kraft in der Praxis bewährt hat. Zusatzqualifikationen sind bei uns kein "Muss", sie erleichtern aber häufig den Werdegang, wenn sie sich fachspezifisch umsetzen lassen. So erleichtert eine Promotion im Steuerrecht häufig die Bewältigung komplexerer Problemstellungen, studienbegleitende Praxiserfahrungen helfen beim Einstieg in das Tagesgeschäft. Letztlich ausschlaggebend ist aber die Persönlichkeit des Bewerbers, die aus einer Mischung aus Unternehmertum, Kreativität, Sorgfalt und Teamfähigkeit geprägt sein sollte. Dies gilt für unsere juristischen wie auch betriebswirtschaftlich orientierten Mitarbeiter gleichermaßen.

Competence Site:
Weshalb haben Sie sich vor einigen Jahren für FGS entschieden? Was wären Alternativen gewesen? Was ist das Besondere an der Unternehmenskultur Ihres Unternehmens? Was sind weitere Aspekte, die aus Ihrer Erfahrung heraus den Unterschied zwischen FGS und anderen Kanzleien ausmachen?

Dr. Hötzel:
Das Reizvolle an FGS war für mich die Mischung aus einem anspruchsvollen Aufgaben- und Mandantenspektrum, wie es üblicherweise nur bei den großen Anwaltskanzleien oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zu finden ist, und einer flexiblen Struktur, wie sie üblicherweise nur in deutlich kleineren Einheiten vorkommt. Dies ist in Deutschland eine seltene Kombination, die ein Arbeiten auf höchstem Niveau ohne die Zwänge des organisatorischen Korsetts einer Großeinheit ermöglicht. Darüber hinaus birgt unser seit nunmehr fast dreißig Jahren anhaltendes dynamisches Wachstum vielfältige Möglichkeiten für Jeden, sich in seinem Gebiet zu entfalten und zu entwickeln.

Competence Site:
In welchem Umfang und wie schnell können neue Mitarbeiter, insbesondere Absolventen, bei FGS größere Verantwortung intern und extern übernehmen? Wie sieht der "klassische" Entwicklungspfad eines Mitarbeiters bei FGS aus? Was sind die wichtigsten Entwicklungsstufen? Wie wird die Entwicklung durch FGS begleitet bzw. gefördert?

Dr. Hötzel:
Die flexible Struktur unseres Unternehmens bringt es mit sich, dass keine schematischen Werdegänge mit klar vorgegeben Karriereetappen und auch nicht die typischen Hierar-chieebenen existieren. Ich möchte dennoch einmal versuchen, einen typischen Werdegang für einen Absolventen zu skizzieren: Als Mitarbeiter kommen für uns Juristen gleichermaßen wie Betriebswirte in Betracht. Wir haben ein Mentorensystem, was bedeutet, dass jeder neue Mitarbeiter einem Partner fest zugeordnet wird, der ihn beruflich und auch in persönlichen Be-langen betreut. Nach rund zwei bis drei Jahren wird der Mitarbeiter am Erfolg seiner Tätigkeit finanziell beteiligt. Dies soll das unternehmerische Denken fördern und dient natürlich auch als Leistungsanreiz. Bei erfolgreicher Bewährung kann der Mitarbeiter als Sozius aufgenommen werden. Dies hat insbesondere die Konsequenz, dass die Zugehörigkeit des Mitarbeiters durch Aufnahme auf den Briefkopf der Sozietät auch nach aussen zum Ausdruck gebracht wird. Danach - die Zeitspanne ist individuell sehr unterschiedlich - kann bei entsprechender Qualifikation die Aufnahme in den Partnerkreis erfolgen. Der Partner ist nicht mehr nur am eigenen Erfolg, sondern am Gewinn und am Vermögen der Sozietät beteiligt. Inwieweit und in welchem Zeitraum sich diese Entwicklung tatsächlich realisieren läßt, hängt maßgeblich von dem betroffenen Mitarbeiter ab.

Competence Site:
Schwerpunkte Ihrer Beratungstätigkeit sind die Unternehmensbewertung und Unternehmensakquisition. Sie sind also immer dann gefordert, wenn bei Unternehmen eine strategische, vielfach fundamentale Veränderung ansteht, z.B. im Rahmen von M&A-Prozessen? Was genau ist die Aufgabe von FGS in diesen Bereichen? Wie verlaufen derartige Projekte? Welche weiteren wichtigen Tätigkeitsfelder kennzeichnen die Arbeit für FGS?

Dr. Hötzel:
Das M&A-Geschäft ist nur eines unserer Tätigkeitsschwerpunkte. Wir beraten hier die Unternehmen bzw. ihre Gesellschafter in allen rechtlichen, steuerlichen und betriebswirt-schaftlichen Fragestellungen. Dies beinhaltet die steuerliche Konzeption und rechtliche Umsetzung der Transaktion, bei Unternehmenskäufen/-verkäufen auch die Anfertigung und das Verhandeln der Verträge, die Durchführung von Due Diligence-Prüfungen und Unternehmensbewertung etc. Unsere besondere Stärke liegt in diesen Prozessen in der interdis-ziplinären Zusammenarbeit zwischen Juristen und Betriebswirtschaftlern. Dies vermeidet die sonst üblichen Koordinations- und Reibungsverluste, da alle Leistungen aus einer Hand kommen.

Weitere Tätigkeitsfelder sind das internationale Steuerrecht, das Konzernsteuerrecht, die Beratung gemeinnütziger Organisationen und Stiftungen sowie die umfassende Beratung familiengeprägter Unternehmen in allen rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Belangen. Auch hier können wir unsere besondere Stärke, die in der ausgeprägten interdisziplinären Zusammenarbeit liegt, sehr fruchtbar in das Mandatsverhältnis einbringen. In diesem Zusammenhang haben wir häufig auch mit Problemstellungen aus dem Bereich der Unternehmernachfolge zu tun, einem weiteren wichtigen Standbein der Sozietät. Den besten Überblick über die gesamte Leistungspalette findet man auf unserer Internetseite (http://www.fgs.de).

Competence Site:
Hochkarätige Projekte erfordern vielfach besonderen Einsatz, insbesondere für Partner einer Kanzlei wie FGS. Wie sieht das Einsatzpensum eines FGS-Mitarbeiters in der Regel aus? Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich zu den hohen Anforderungen Ihres beruflichen Engagements?

Dr.Hötzel:
Gerade im Transaktionsgeschäft lassen sich vorübergehende Spitzen in der Arbeitsbelastung nicht vermeiden. Im Gegensatz zu den großen anderen Anwaltssozietäten gibt es bei uns jedoch keine Arbeitszeiten bis in die Nacht. Ab 19.00 Uhr leeren sich die Büros und nach 19.30 Uhr wird man nur noch vereinzelt Mitarbeiter antreffen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Mitarbeiter abends auch einmal zu Hause einen Vortrag oder ein Seminar vorbereiten oder an einem Beitrag im Fachschrifttum arbeiten. Da unsere Sozietät sich auch im Bereich des wissenschaftlichen Wirkens einen exzellenten Ruf erarbeitet hat, ist auch hier jeder Einzelne gefordert, am Ausbau dieses Rufs mitzuwirken. Unsere Arbeitszeit läßt also insgesamt genügend Raum für die Freizeitgestaltung, die bei dem einen mehr familienbezogen ausgerichtet ist, bei anderen mehr im kulturellen oder sportlichen Bereich liegt.

Competence Site:
Kleiner Exkurs Unternehmensbewertung: Wie beurteilen Sie die Entwicklungen am neuen Markt, insbesondere die Entwicklungen der Unternehmenswerte? Was erwarten Sie für die nächste Zukunft?

Dr.Hötzel:
Am Neuen Markt wurde der kardinale Fehler begangen, sich völlig überzogenen Erwartungen hinsichtlich der Entwicklungsmöglichkeiten bei den Unternehmen hinzugeben. Es wurden in der allgemeinen Euphorie, von der auch wir uns haben anstecken lassen, Unternehmen an die Börse gebracht, die mit leicht kopierbaren Ideen gigantische Gewinne erzielen sollten. Das kann in der Praxis nicht funktionieren. Das Ergebnis ist jedem bekannt.
In der Zukunft wird der bereits eingeleitete Konsolidierungsprozess fortschreiten. Das alles dominierende Thema wird die Sicherstellung der Liquidität sein. In Anbetracht des weitgehend zerstörten Anlegervertrauens und vor dem Hintergrund von Basel II wird die Liquiditätsbeschaffung für die start-up-Unternehmen zum Prüfstein werden. Nur wer exzellente Produkte hat, die eine einfache Nachahmung ausschließen, wird in der Zukunft die Liquidität erhalten, die für das weitere Überleben und die unternehmerische Entwicklung erforderlich ist. Dieser Selektionsprozess wird zwar sehr schmerzhaft sein. Seine bereinigende Wirkung ist aber existenziell notwendig für das weitere Funktionieren dieses für die Volkswirtschaft sehr wichtigen Börsensegments. Meine Einschätzung für den Neuen Markt ist also zunächst einmal noch eher negativ, in der mittel- und langfristigen Betrachtung aber deutlich positiv.

Competence Site:
Was wünschen Sie sich für FGS, insbesondere im Bereich Mitarbeiter-Entwicklung? Was wünschen Sie dem Neuen Markt?

Dr. Hötzel:
Für FGS wünsche ich mir, dass wir trotz unseres Wachstums noch möglichst lange unseren besonderen individuellen Charme bewahren können. Wenn die Arbeit weiterhin so viel Spass wie bisher bereitet, wird auch die notwendige Akquisition fähiger Mitarbeiter gesichert sein. Dem Neuen Markt wünsche ich, dass er das wiedererlangt, was einen funktionierenden Aktienmarkt ausmacht: Vertrauen.

Herr Dr. Hötzel, herzlichen Dank für das Interview!
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Autor
  • Oliver Hötzel
    Dr. Oliver Hötzel

    Steuerberater seit 1992, Wirtschaftsprüfer seit 1998. Studium der Betriebswirtschaftslehre in Aachen (1987 Diplom-Kaufmann, 1992 Dr. rer. pol.). Partner der Sozietät Flick Gocke Schaumburg seit 1998. Veröffentlichungen: - Unternehmenskauf und Steuern, 2. Auflage 1997. - Einfluß der Unternehmenssteuerreform auf die Unternehmensbewertung, in: Wpg 2000, 696...

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