An der westlichsten Küste Europas wird ein amerikanischer Tourist auf einen einheimischen Fischer aufmerksam, der in seinem Boot liegt und zufrieden vor sich hin döst. Verwundert fragt der Tourist den Einheimischen, ob er denn nicht zum Fischen hinausfahre, das Wetter sei doch günstig. Der Fischer erzählt dem Fremden, dass er schon am frühen Morgen auf dem Meer gewesen sei und einen derart großen Fang gemacht habe, dass ihm die Fische sogar noch für morgen und übermorgen reichen würden. Doch der Tourist lässt nicht locker. Wenn er ein zweites, ein drittes, vielleicht sogar ein viertes Mal ausfahre, könne er die Fangmenge doch erheblich steigern. Vom Kopfschütteln des Fischers nicht abgeschreckt, fährt der Fremde mit zunehmendem Enthusiasmus fort. Würde der Fischer dies an günstigen Tagen wiederholen, könne er sich spätestens in einem Jahr einen Motor kaufen, in zwei Jahren ein zweites Boot, dann vielleicht einen Fischkutter mit Mannschaft. Er könne ein Kühlhaus bauen, später eine Marinadenfabrik, mit einem eigenen Hubschrauber rundfliegen, die Fischschwärme ausmachen und der Fangflotte Anweisung geben. Er könne die Lachsrechte erwerben, ein Fischrestaurant eröffnen, den Hummer ohne Zwischenhändler direkt nach Paris exportieren und dann ... ‒ dem Fremden verschlägt es vor Begeisterung die Sprache. „Was dann?“ fragt der Fischer. „Dann können Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen und auf das herrliche Meer blikken.“ sagt der Fremde mit Genugtuung. Darauf der Fischer: „Aber das tu ich ja jetzt schon.“ (vgl. Böll, H., 1963, S. 267 ff.).
(Mit freundlicher Genehmigung des <b><a href="http://www.managerverband.de" target="_blank">Deutschen Manager-Verband e.V.</a></b>)
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