In der Managementrhetorik betonen wir längst das Ende der stabilen und eindeutigen Welt. Unser tägliches faktisches Handeln in Organisationen steht jedoch meist in krassem Gegensatz dazu. Technokratisch geschult, versuchen wir, mit einer kausalen Logik immer neue Wege zur Beherrschung komplexer Systeme zu finden. „Mehr desselben“ lautet das Reaktionsmuster im „täglichen Wahnsinn“.
So wurde etwa in einem Finanzdienstleistungskonzern festgestellt, dass einige wenige Mitarbeitende im Außendienst den im Rahmen von Dienstreisen angebotenen Wäscheservice missbrauchten, indem sie auch die Schmutzwäsche der Familie waschen ließen. Sofort reagierte das Management mit einem bürokratischen „Wäscheerlass“. Die Verantwortlichen reflektierten nicht darüber, ob diese Regelung und deren Durchsetzung ganz neue, den ursprünglichen Schaden bei weitem übertreffende Kosten verursachen. Zudem ist die Energie zum „kreativen Systembetrug“ unendlich groß, vor allem dann, wenn man ihn geradezu provoziert. Denn die Wenigen, die den Service schamlos missbrauchten, werden vermutlich nie zu disziplinieren sein, da sie stets Wege finden werden, den Erlass zu umgehen.
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