Wertgutachten für börsennotierte Aktiengesellschaften, wie sie regelmäßig im Rahmen des Squeeze-out-Verfahrens erstellt werden, weisen teilweise erhebliche methodische Schwächen auf, die unangemessen niedrige Unternehmenswerte zur Folge haben und entsprechend Minderheitsaktionäre benachteiligen. Dies gilt auch, wenn bei der Bewertung der (neue) Bewertungsstandard S1 des Instituts der Wirtschaftsprüfen (IDW) verwendet wird, weil dieser an vielen zentralen Punkten Bewertungsspielräume lässt. Der IDW S1 ist zudem in vielerlei Hinsicht als "konservativ" einzuschätzen, weil aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Bewertung von Unternehmen noch nicht berücksichtigt werden. Hier ist insbesondere zu verweisen auf die Implikationen der Unkommenheit von Kapitalmärkten für den Unternehmenswert, die in vielen empirischen Untersuchungen bestätigt wurden (vgl. Wallmeier, Prognose von Aktienrenditen und -risiken mit Mehrfaktorenmodellen, 1997 und zusammenfassend Gleißner, Finanz-Betrieb 4/2005, S. 217-229). Für die kritische Analyse vorliegender Bewertungsgutachten ist es erforderlich, diejenigen Elemente zu erkennen, die auf eine Unterschätzung des tatsächlich angemessenen fundamentalen Unternehmenswerts hinweisen. Im Folgenden sind einige der wesentlichen Ursachen für eine mögliche Unterschätzung des Unternehmenswerts checklistenartig zusammengefasst.
Dr. Werner, Gleißner, Dipl. Wirtsch.-Ing., ist Vorstand der FutureValue Group AG und Leiter der Risikoforschung der Marsh GmbH. Schon seit 1990 ist er als Geschäftsführer der wima Gesellschaft für angewandte Betriebswirtschaft mbH - Unternehmensberatung im BDU - selbständiger Unternehmer. Seit seiner Promotion in Volkswirtschaftslehre (Geldpolitik, Ökonometrie und...