Aussichten für Finanzmärkte, die deutsche Wirtschaft und den Euroraum in 2012
Interview mit Feri-Vorstand und Anlageexperte Heinz-Werner Rapp in Forum Online— Trotz Euro- und Schuldenkrise zeigt sich die deutsche Wirtschaft für 2012 optimistisch. Die Aussichten für die Finanzmärkte hängen dagegen in erster Linie davon ab, wie schnell die Politik die Probleme im Euroraum in den Griff bekommt. Was das für Anleger bedeutet, erklärt Feri-Vorstand Heinz-Werner Rapp im Interview.
09. Januar 2012. Vorsichtig optimistisch gibt sich die deutsche Wirtschaft, was die Aussichten für das Jahr 2012 betrifft. Laut Umfrage des ifo-Instituts unter knapp 600 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen im Dezember 2011 rechnet die große Mehrheit – rund drei Viertel – damit, dass die Konjunktur auch im neuen Jahr anzieht. Die meisten gehen zwar davon aus, dass das Wachstum schwächer ausfallen wird als 2011. Aber nur 12 Prozent der befragten Unternehmen glauben, dass es zu einer Rezession kommen wird.
Trotz Euro-Krise, nervöser Finanzmärkte und einer lahmenden Weltkonjunktur blicken die deutschen Unternehmer also mit Zuversicht ins neue Jahr. Volle Auftragsbücher, gute Beschäftigungsquoten und die Aussichten, in den wachsenden Schwellenländern wie China oder Brasilien auch in Zukunft gute Geschäfte zu machen, verstärken ihren Optimismus.
Wie sich im neuen Jahr hingegen die Kapitalmärkte entwickeln werden, darüber sind sich die Experten weniger einig. „Die Entwicklungen werden in erster Linie davon abhängen, wie schnell es die Politik schafft, die Währungs- und Finanzkrise in Europa in den Griff zu bekommen“, betont Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand der MLP-Tochter Feri Finance AG.
Schlimmstes Szenario sei derzeit ein Auseinanderfallen der Eurozone. „Doch eigentlich ist der politische Wille, die Eurozone zusammen zu halten, ausgeprägt genug. Jetzt müssen die beschlossenen Rettungsmaßnahmen aber schnell und entschlossen umgesetzt werden“, betont Rapp. Forum Online hat nachgefragt, was das bedeutet.
Herr Dr. Rapp, 2011 war für die Anleger mal wieder ein krisengeschütteltes Jahr. Wie geht es 2012 weiter?
Heinz-Werner Rapp: Tatsächlich hat sich die anfängliche so genannte Griechenland-Krise zu einer systemischen Währungs- und Finanzkrise für Gesamt-Europa entwickelt. Die gesamte Entwicklung hängt im Moment in erster Linie davon ab, ob und wie schnell die Politik die Krise in den Griff bekommt. Die Rettungsmaßnahmen für die Finanzmärkte sind zwar in Teilen beschlossen, aber noch längst nicht umfassend und aktiv genug umgesetzt.
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