Modell_des_integrativen_Kompetenzmanagements_reinhardt_uni_magdeburg.pdfPersonalmanagement
Kompetenzen steuern -
Modell des integrativen
Kompetenzmanagements
Kai Reinhardt, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Kai Reinhardt ist seit 2006 Kompetenzmanagement in der Dispersion von unternehmensinternen
als Lehrbeauftragter an der
Otto-von-Guericke-Universi- Diskussion Kompetenzen in den Griff bekommen
tät Magdeburg am Lehrstuhl sowie die Fähigkeiten und Fertigkei-
für Berufliche Weiterbildung
und strategische Personal- Während vor einigen Jahren noch ten der Mitarbeiter besser genutzt
entwicklung. Diskussionen zur Re- bzw. Neukonfigu- werden. Mit Hilfe des Kompetenz-
ration von Produkt- und Marktstrate- managements, so die vorherrschende
gien überwiegten, wird heute vermehrt Meinung, wird es möglich, die immer
über den Einsatz von Kompetenzma- komplexer und unwägbarer werdenden
nagement zur Lösung aktueller unter- externen und internen Rahmenbedin-
nehmerischer Probleme debattiert. [1] gungen [2] im Unternehmen besser
Die aktuelle Forschung bietet wenige Der Einsatz von Managementmodellen steuer- und kontrollierbar zu ma-
Erkenntnisse zu einem generellen Ver- und -methoden des Kompetenzma- chen. In der wissenschaftlichen Litera-
ständnis bzw. geeigneten Modellen, nagements weckt mittlerweile in allen tur liegt der Fokus meist auf Themen
die in der Praxis Anwendung finden Führungsetagen und in großen Teilen des individuellen und organisationa-
können. Vorhandene Erklärungsan- der Forschungsgemeinschaft Optimis- len Lernens, der Nutzung und des
sätze sind meist zu komplex und von mus. Durch Kompetenzmanagement Transfers von Mitarbeiterkompetenzen
wissenschaftlichen Sichtweisen ge- soll die starke Differenzierung und sowie des Ausbaus und Erhalts un-
trieben. Im vorliegenden Beitrag soll
ein Modell zum integrierten Kompe- Bild 1: Kompetenzmanagement-Modell.
tenzmanagement vorgestellt werden,
das sowohl kognitionswissenschaft-
Prozesse Produkte Projekte Technologien
liche als auch organisationswissen-
Identifikation
schaftliche Sichtweisen miteinander
verbindet und in einen praxisnahen geschäftsrelevante Kompetenzfelder
Handlungsrahmen überführt. Ableitung Kompetenzstrategie
organisationale Lernprozesse
Betriebliche Interventionen
Rollenkatalog Aufgabenkatalog
individuelle Lernprozesse
Validierung
Soll-Kompetenzkatalog
In diesem Beitrag lesen Sie:
Mitarbeiterbefragung
• wie ein Modell zum integrierten fachliche methodische soziale
Kompetenzmanagement funktio- Kompetenz Kompetenz Kompetenz
niert, Selbst- und Fremdeinschätzung
• wie das Modell kognitionswissen-
schaftliche und organisationswis-
Transfer
Kompetenzprofile
senschaftliche Sichtweisen mitein-
ander verbindet,
• wie dieses Modell in die Praxis Repräsentation Reflexion Transfer Entwicklung
überführt werden kann.
32 ERP Management 3 (2007) 1
K. Reinhardt: Kompetenzen steuern - Modell des integrativen Kompetenzmanagements
ternehmerischer Kernkompetenzen [1,
3, 4, 5]. Bei dieser Veröffentlichungs-
vielfalt und Diskussionsfreude zum
Kompetenzmanagement ist es ver-
wunderlich, dass sich bis heute weder
eine einheitliche Terminologie zu den
dort verwendeten Begriffen und Kon-
zepten noch ein übergreifendes Modell
für das Kompetenzmanagement he-
rauskristallisieren konnte [6]. Beson-
ders ausgeprägt ist die Begriffs- und
Konzeptvielfalt an den Transferstellen
von theoretischer Modellentwicklung
zur praktischen Implementierung im
Unternehmen bzw. der Anwendung
in der Managementpraxis. Hier über-
wiegen zumeist sehr abstrakte und
unkonkrete Vorstellungen zum Einsatz
eines Kompetenzmanagements. Dieser
„akademische Dschungel“ verwirrt den
Praktiker und schafft Barrieren für
einen anwendungsorientierten Einsatz
im Unternehmen. Da das Konstrukt
Kompetenz und daher zwangsläufig
auch das Konstrukt Kompetenzma-
nagement von der Unternehmenspra-
xis häufig deutlich anders verstanden Bild 2: Kompetenzrad am Beispiel des CSC Ploenzke Dienstleistungsmodells.
werden, als im Rahmen eines wissen-
schaftlichen Verständnisses, kann dies sammenhang meist auf die Entwick- Kognitionswissenschaften Schwächen
u.U. zu gravierenden Missverständnis- lung von Kompetenzklassifikationen bezüglich unternehmerischen Fragen,
sen bis hin zu nahezu unüberwind- und Beschreibung individueller und wie z.B. kompetenzorientierte Prozess-
lichen Verständigungsbarrieren zwi- kollektiver Kompetenzarten [8] sowie und Projektgestaltung auf. Die Mo-
schen Wissenschaftlern und Praktikern der Regulierung von Lernprozessen delle der Organisationswissenschaften
führen, obwohl beide das gleiche Ziel beim Individuum [9, 10]. Organisati- übersehen zumeist die spezifischen
anstreben. onswissenschaftliche Modelle hinge- Eigenschaften, Klassifizierungen und
gen beantworten vorwiegend Fragen Transferprobleme von individuellen
Blinder Fleck der Forschung zum strategischen Aufbau und der Kompetenzen während die Model-
Aggregation von Kompetenzen [5, 6, le aus Psychologie und Soziologie
Ein Grund für den bisher unzu- 15, 16] sowie deren Verteilung und geschäfts- und prozessorientierten
länglichen Praxistransfer ist die zwei- Ausrichtung an betrieblichen Prozes- Belangen nicht genügend Beachtung
geteilte Sicht auf die Grundlagen des sen [17, 18, 19; 13, 14]. schenken. Bestehende Modelle verfol-
Kompetenzmanagements. Einerseits Durch den selbstreferentiellen Be- gen entweder die eine oder die andere
wird Kompetenzmanagement aus der zug, den jede Disziplin für sich ein- Sichtweise – niemals aber einen inte-
Perspektive der Kognitionswissenschaft nimmt, gibt es nur wenige Schnitt- grativen Ansatz.
betrachtet; insbesondere aus Sicht der stellen für einen interdisziplinären Die Herausforderung für die Pra-
Psychologie und Soziologie. [7, 8, Austausch. Dies führt in direkter Folge xis besteht in der Entwicklung einer
9, 10] Andererseits versteht sich das zu „blinden Flecken“ in der Model- integrierten Sicht, der wir in diesem
Kompetenzmanagement als Disziplin lierung von übergreifenden Kompe- Beitrag näher kommen wollen.
der Organisationswissenschaften, ins- tenzmanagement-Ansätzen.
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