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Online Community of Practice ‑ Personalentwicklung mit informellen, organisations-übergreifenden Wissens-Gemeinschaften?

Online Community of Practice ‑ Personalentwicklung mit informellen, organisations-übergreifenden Wissens-Gemeinschaften?
Kompetenz - Index
Online seit
20.10.2005
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Grundinformation
Veröffentlichungsdatum :
2005
Inhalte
Abstract / Inhalt:

Communities of Practice haben sich in den 90er Jahre als Instrument für ganzheitliches Wissensmanagement insbesondere in Großunternehmen etabliert. Gerne werden sie auch an formelle Qualifizierungsmaßnahmen als so genannte Learning Communities angedockt.

Die arbeitsprozessbegleitenden, informellen Communities of Practice oder auch Wissens-Gemeinschaften finden sich immer häufiger auch im Internet. Dort aber nicht für den Wissensaustausch unter den eigenen Mitarbeitern eingerichtet, sondern von Organisationen aufgesetzt, die für die Kommunikation zwischen Mitarbeitern verschiedenster Unternehmen und Interessierten offen stehen. Diese organisations-übergreifenden Online Communities of Practice werden insbesondere von lernaktiven Mitarbeitern geschätzt. In der Personalentwicklung haben sie allerdings bisher noch keinen festen Platz erobert.

Lesen Sie,

  • was hinter diesen organisations-übergreifenden Online Communities of Practice steckt.
  • welchen Mehrwert diese Communities für die Mitarbeiter haben können.
  • was das Besondere an diesen Communities of Practice ist.
  • mit welchen Vorzügen und Herausforderungen die onlinebasierte Kommunikation und Interaktion in Communities of Practice verbunden ist.
  • worauf man achten muss, um geeignete für die eigenen Mitarbeiter auszuwählen oder empfehlen zu können (10 goldene Regeln für Online Communities of Practice).
  • was ein Betreiber über seine organisations-übergreifende Online Community of Practice zu sagen hat (Interview mit „sekretaria.de“).
  • wo sich Online Communities of Practice finden lassen (Übersicht über Online Communities of Practice).
  • wie zukünftig die Nutzung und Akzeptanz dieser Communities aussieht.

  • Der/die Autor(en)
    Insgesamt: 1
    Anja Johanning
    Experte
    Person
    Kommunale Versorgungskassen für Westfalen-Lippe
    seit 2008 Marketingreferentin bei Kommunalen Versorgungskassen für Westalen-Lippe 2001-2007 zunächst als Projektassistentin, dann als Projektmanagerin bei MMB Institut für Medien- und Kompetenzforschung 2002-2003 berufsbegleitende Weiterbildung zur Expertin für Neue Lerntechnologien an der tele-akademie FH Furtwangen 1995-2001 Studium der Kommunikationswissenschaft, Politik- sowie Film- und Fernsehwissenschaft an Ruhr-Universität Bochum, Universität zu Köln und Paris-Lodron-Universität [...]
    Herausgebende Organisationen
    Insgesamt: 1
    Competence Types
    Aktionen
    Inhalte der angehängten Dateien (automatische Extraktion)
    Communities_Personalentwicklung_competence-site_MMB.pdf
    Online Community of Practice – Personalentwicklung mit
    informellen, organisations-übergreifenden Wissens-
    Gemeinschaften?
    Autorinnen:
    Anja Johanning (MMB),
    Friederike Ruth Bliss (Hochschule Stendal),
    Hildegard Schicke (KOBRA)1
    
    
    Communities of Practice haben sich in den 90er Jahre als Instrument für
    ganzheitliches Wissensmanagement insbesondere in Großunternehmen
    etabliert. Gerne werden sie auch an formelle Qualifizierungsmaßnahmen als so
    genannte Learning Communities angedockt.
    
    Die arbeitsprozessbegleitenden, informellen Communities of Practice oder auch
    Wissens-Gemeinschaften finden sich immer häufiger auch im Internet.
    
    Dort aber nicht für den Wissensaustausch unter den eigenen Mitarbeitern
    eingerichtet, sondern von Organisationen aufgesetzt, die für die Kommunikation
    zwischen Mitarbeitern verschiedenster Unternehmen und Interessierten offen
    stehen. Diese organisations-übergreifenden Online Communities of Practice
    werden insbesondere von lernaktiven Mitarbeitern geschätzt. In der
    Personalentwicklung haben sie allerdings bisher noch keinen festen Platz
    erobert.
    
    Lesen Sie,
    
    Ø   was hinter diesen organisations-übergreifenden Online Communities of
        Practice steckt.
    
    Ø   welchen Mehrwert diese Communities für die Mitarbeiter haben können.
    
    Ø   was das Besondere an diesen Communities of Practice ist.
    
    Ø   mit welchen Vorzügen und Herausforderungen die onlinebasierte
        Kommunikation und Interaktion in Communities of Practice verbunden ist.
    
    Ø   worauf man achten muss, um geeignete für die eigenen Mitarbeiter
        auszuwählen oder empfehlen zu können (10 goldene Regeln für Online
        Communities of Practice).
    
    Ø   was ein Betreiber über seine organisations-übergreifende Online Community
        of Practice zu sagen hat (Interview mit „sekretaria.de“).
    
    Ø   wo sich Online Communities of Practice finden lassen (Übersicht über Online
        Communities of Practice).
    
    Ø   wie zukünftig die Nutzung und Akzeptanz dieser Communities aussieht.
    
    
    
    Fehlermeldungen oder undefinierbare Ausfälle von Kopiergeräten versetzen
    Servicekräfte eines Kopiergeräteherstellers nicht in Panik. Der Grund dafür sind
    
    1
     Die Autorinnen arbeiten im Rahmen des interdisziplinär ausgerichteten
    Graduiertennetzwerkes Lernkultur Kompetenzentwicklung der Arbeitsgemeinschaft
    Betriebliche Weiterbildungsforschung e.V. zusammen. Das Netzwerk wird vom
    Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Europäischen Sozialfond
    gefördert.
    
                                                                                       1
    nicht alleine die regelmäßig durchgeführten Weiterbildungsmaßnahmen oder die
    ständig aktualisierten Wartungshandbücher. Es sind Kollegen-Gespräche über
    Erfahrungen aus der Arbeitspraxis, die beim Pausenkaffee („hang around the
    coffee pot“) oder in der Kantine nebenbei ausgetauscht werden. Es ist auch die
    Option bei akuten Problemen schnell einen Kollegen über „Walkie Talkie“ zu
    kontaktieren und gemeinsam eine Lösung zu finden.
    
    
    Diese Erkenntnis erbrachte eine vom Kopiergerätehersteller Xerox 1991
    beauftragte Studie: Für die Effizienz und den Erfolg des Kundendienstes waren
    nicht ausschließlich die zeit- und kostenaufwändigen Weiterbildungsmaßnahmen
    verantwortlich.
    Servicemitarbeiter bewältigten unvorhergesehene Probleme im Arbeitsalltag, in
    dem sie informelle Wege suchten, um möglichst rasch beim Kunden vor Ort
    Lösungen zu finden.
    
    Wollte das Management von Xerox zunächst mit der Studie Hinweise und Tipps
    gewinnen, um die Weiterbildungsmaßnahmen effizienter zu gestalten, so
    diskutierten sie nun, wie diese informellen Wissensgemeinschaften, die die
    Servicemitarbeiter im Arbeitsalltag selbstorganisiert aufgebaut haben,
    systematisch gefördert und unterstützen werden könnten.
    
    Diese in den 90er Jahren in der Personal- und Organisationsentwicklung als „the
    invisible key to success“ oder Ort ganzheitlichen Wissensmanagements
    diskutierten Praxisgemeinschaften hielten insbesondere in Großunternehmen wie
    McDonalds, Hewlett Packard, Siemens, IBM, Shell, Weltbank und DaimlerChrysler
    verstärkt Einzug.
    
    Treiber für die systematische Unterstützung dieser informellen Praxis-
    Gemeinschaften war, dass sich mit diesem Instrument Probleme am Arbeitsplatz
    just-in-time und just-on-demand lösen lassen, gefachsimpelt, verschiedene
    Perspektiven offen ausgetauscht und diskutiert werden können und daraus neues
    Wissen, Ideen und Innovationen entstehen können.
    
    Parallel zu den organisations-internen Communities of Practice, die zunehmend
    auch auf Internet-Dienste wie Foren oder Chat als (zusätzliche)
    Kommunikations- und Interaktionsplattform der Mitarbeiter (zu Kantine und zur
    Kaffeeküche etwa) setzten, entwickelten sich so genannte organisations-
    übergreifende Communities of Practice (siehe Grafik: Community-Varianten).
    
    
                                              (Online) Community
    
    
               (Online) Learning Community                            (Online) Community of Practice
           begleitend zu Bildungsmaßnahmen, formelles Lernen           arbeitsprozessbegleitend, informelles Lernen
    
    
    
                                                               oder
                            organisations-intern                        organisations-übergreifend
    
    Abbildung 1: Community-Varianten, nach Anja Johanning 2005.
    
    Diese organisations-übergreifenden, meist auch onlinebasierten Communities of
    Practice passen in die gegenwärtige Zeit, in der sich Arbeitsverhältnisse und
                                                                                                                      2
    Arbeitsorte flexibilisieren mit der Folge, dass Mitarbeiter nicht mehr ein
    Arbeitsleben lang in einem Unternehmen beschäftigt sind.
    
    Angesprochen werden von den virtuellen Communities of Practice Mitarbeiter
    verschiedener Unternehmen mit ähnlichen oder verschiedenen beruflichen
    Hintergründen (siehe Kasten 3: Übersicht über Online Communities of Practice).
    
    
    Das vorrangige Ziele der Betreiber (u.a. IT-Unternehmen, Verlage) dieser
    Communities ist nicht wie bei organisations-intern aufgesetzten Communities of
    Practice eine Kommunikations- und Interaktionsplattform für
    arbeitsprozessbegleitendes Lernen zu schaffen, sondern es geht darum, neue
    Einnahmequellen für Inhalte zu erschließen oder für das eigene Unternehmen
    Marketing zu betreiben.
    Dennoch zeigte sich in einer Befragung von 814 Online Community of Practice-
    Nutzern im deutschsprachigen Raum (durchgeführt vom Bundesinstituts für
    Berufsbildungsforschung 2004), dass die Mitglieder einen Nutzen aus diesen
    organisations-übergreifenden Gemeinschaften ziehen, der auch
    Personalentwickler und Vorgesetzte in Organisationen interessieren dürfte.
    Danach schätzen die Mitglieder dieser Communities besonders die Option,
       •   Lösungen auf konkrete Probleme und Fragen im Arbeitsalltag erhalten zu
           können.
       •   Aber auch die Anerkennung und Bestätigung der eigenen Kompetenzen ist
           ein Grund für die Nutzer, ihre Zeit zu opfern und ihr Wissen in den Online
           Communities Preis zu geben.
       •   Darüber hinaus wird auch in den allgemeinen Tipps und Anregungen für
           den beruflichen Alltag sowie
       •   Hinweisen auf Neuerungen wie z.B. Produktentwicklungen oder
           Gesetzesänderungen jeweils ein Mehrwert gesehen. Ebenso wie Nutzer die
       •   Diskussion und Auseinandersetzung mit anderen nicht missen möchten.
    
    
    
    Online Communities of Practice – was ist das Besondere an diesen
    Gemeinschaften?
    Wer also glaubt, der Nutzen solcher organisations-übergreifenden, online-
    basierten Gemeinschaft ergebe sich alleine durch das Aufsetzen einer Internet-
    Plattform, die Akquise von anerkannten Fachexperten oder ein attraktives
    redaktionelles Umfeld, hat die Rechnung ohne die Mitglieder gemacht.
    Online Communities of Practice sind Gemeinschaften, die durch die Teilhabe der
    Mitglieder an der Gemeinschaft getragen werden. Die Herausbildung einer
    Gemeinschaft kann von außen gestützt werden, die Gemeinschaft selbst muss
    jedoch von innen wachsen.
    „Gut funktionierende Communities of Practice“, so Community-Expertin Gabi
    Reinmann, „entstehen nicht selten aus einem Leidensdruck heraus, der den
    Austausch in der Gemeinschaft zur Notwendigkeit macht; oft ist es aber auch ein
    geteiltes, gemeinsames Anliegen, das als Anknüpfungspunkt dient und aus dem
    sich die Gemeinschafts-Kultur speist“. Derartige Communities of Practice finden
    sich v.a. bei Softwareentwicklern, aber auch bei so unterschiedlichen
    
                                                                                     3
    Berufsgruppen wie Viehzüchtern, SekretärInnen, Ausbildern oder
    Personalverantwortlichen (vgl. dazu Kasten 3: Übersicht über Online
    Communities of Practice).
    „Wenn keiner dieser Faktoren vorhanden ist“, schlussfolgert Gabi Reinmann,
    „sind echte Communities of Practice, ganz gleich ob auf Initiative von
                                                         Mitarbeitern oder
                                                         Privatpersonen (bottom up)
                                                         oder von Organisationen
                                                         (top
                                                               down) aufgesetzt, mehr
                                                               Traum als Wirklichkeit“
                                                               (vgl. dazu auch Kaste 1: 10
                                                               goldene Regeln für Online
                                                               Communities of Practice).
                                                               Abbildung 2: Merkmale einer
                                                               Online Community of Practice;
                                                               nach Gabi Reinmann-Rothmeier
                                                               2000
    
    
    Communities of Practice leben davon, dass sich Mitglieder aktiv einbringen, sich
    austauschen, kooperieren aber auch mal streiten.
    
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