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Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen ‑ Reflexion eines Lebenswerks

Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen ‑ Reflexion eines Lebenswerks
Kompetenz - Index
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3.3.2008
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Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen ‑ Reflexion eines Lebenswerks
Abstract / Inhalt:

In unseren Lebenswerk-Interviews stellen wir in jedem Kompetenzgebiet die jeweils führenden Kompetenzträger vor, die Wissenschaft und Praxis bereits über Jahre hinweg mitgeprägt haben und immer noch mitprägen. Die Professoren Hermann Simon (Strategie/Marketing), August-Wilhelm Scheer (Informationssysteme) und Péter Horváth (Controlling) standen bereits für diesen Anspruch an Kompetenz-Führung.

Wir freuen uns besonders, mit Herrn Professor Dr. Friedrich Graf von Westphalen diese Reihe für das neue Kompetenzgebiet Recht prominent fortsetzen zu können. Als Gründer einer der führenden deutschen Großkanzleien, die bis heute ihre Unabhängigkeit bewahrt hat, als Honorar-Professor an der Reform-Universität Bielefeld und als engagierter Vertreter seines Faches im Deutschen Anwaltsverein und auf internationaler Ebene wirkt Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen prägend in seinem Kompetenz-Gebiet und ist nicht zu Unrecht einer der bekanntesten deutschen Juristen.

Dabei geht sein Blick aber auch stets über das eigene Kompetenz-Gebiet und die Herausforderungen der Gegenwart hinaus. So ist dieses Lebenswerk-Interview zugleich auch ein faszinierender Einblick in die Zukunft Deutschlands und sein Rechtssystem im globalen Wandel!

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Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen
Beirat
Experte
Entscheider
Studium der Rechtswissenschaften in Münster, Heidelberg, Bonn und Washington D.C. 1968 Promotion über "Die Haftung des Warenherstellers im amerikanischen Recht und der Uniform Commercial Code" (Heidelberg 1969). 1969 - Zulassung als Rechtsanwalt - Redakteur beim "Rheinischen Merkur" 1969 - 1973 Syndikusanwalt 1973 Gründung der Praxis Seit 1998 - Lehrbeauftragter, seit 2004 Honorarprofessor an der Universität Bielefeld - Vorsitzender des Geschäftsführenden Ausschusses [...]
 
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– Reflexion eines Lebenswerks

                                            Professor Dr.
                    Name:
                                            Friedrich Graf von Westphalen

                    Funktion/Bereich:       Gründer


                    Organisation:           Sozietät Graf von Westphalen

Kurzeinführung zum Thema

In unseren Lebenswerk-Interviews stellen wir in jedem Kompetenzgebiet die
jeweils führenden Kompetenzträger vor, die Wissenschaft und Praxis bereits
über Jahre hinweg mitgeprägt haben und immer noch mitprägen. Die Professo-
ren Hermann Simon (Strategie/Marketing), August-Wilhelm Scheer (Informati-
onssysteme) und Péter Horváth (Controlling) standen bereits für diesen An-
spruch an Kompetenz-Führung.

Wir freuen uns besonders, mit Herrn Professor Dr. Friedrich Graf von Westpha-
len diese Reihe für das neue Kompetenzgebiet Recht prominent fortsetzen zu
können. Als Gründer einer der führenden deutschen Großkanzleien, die bis
heute ihre Unabhängigkeit bewahrt hat, als Honorar-Professor an der Reform-
Universität Bielefeld und als engagierter Vertreter seines Faches im Deutschen
Anwaltsverein und auf internationaler Ebene wirkt Prof. Dr. Friedrich Graf von
Westphalen prägend in seinem Kompetenzgebiet und ist nicht zu Unrecht einer
der bekanntesten deutschen Juristen.

Dabei geht sein Blick aber auch stets über das eigene Kompetenzgebiet und
die Herausforderungen der Gegenwart hinaus. So ist dieses Lebenswerk-
Interview zugleich auch ein faszinierender Einblick in die Zukunft Deutschlands
und sein Rechtssystem im globalen Wandel!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr
NetSkill-Team



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Sehr geehrter Herr Professor Dr. Graf von Westphalen,

Frage 1: Lebensstationen / Lebensgeschichte

Ihre Ernennung zum Vizepräsidenten des Deutschen Anwaltsvereins, Vorsit-
zenden der Kommission für das "Europäische Vertragsrecht", Herausgeber di-
verser Fachzeitschriften und zum Honorar-Professor an der Universität Biele-
feld sind nur einige der vielen Belege für die breite Wertschätzung Ihrer Kompe-
tenz.

Was waren zurückblickend aus Ihrer Sicht in Ihrem Leben bisher die wichtigsten
Stationen, Erfahrungen und Erkenntnisse, die diesen Erfolg ermöglicht haben?
Was waren dabei die größten Herausforderungen? Warum haben Sie sich je-
weils für diese Stationen entschieden und was war generell Ihr Leitmotiv und Ihr
innerer Antrieb für Ihren Weg? Was war und ist für Sie von „Wert“?


Antwort:
           Wie immer, es sind keine „Zufälle“, sondern gefügte Begegnungen
           mit Menschen, die dann einen entscheidenden Einfluss auf den
           Lebensweg nehmen. Prof. Dr. Heinrich Kronstein, deutscher Jude,
           Emigrant, Professor in Georgetown und Frankfurt, dessen Schüler
ich war; und dann Dr. Anton Böhm, Chefredakteur des „Rheinischen Merkur“,
belesen, viel wissend und streng. Beide haben mich geprägt, neugierig zu sein,
die Grenzen des Fachs zu missachten. Sie haben mir beigebracht, immer wie-
der neue Fragen zu stellen.


Meine wissenschaftlichen Tätigkeiten begannen, weil ich als selbständiger An-
walt zunächst nicht genug zu tun hatte und daher meine Erfahrungen aus der
Wirtschaft (Exportfinanzierung etc.) akademisch aufbereiten wollte. Einmal be-
gonnen, war es ein einfaches Prinzip: Ein neues, interessantes Gesetz oder
Rechtsgebiet – die Verlage freuten sich über Handbücher und Kommentare; die
ständigen Neuauflagen allerdings sind eine Fron. Die Gratwanderung zwischen
Wissenschaft und Praxis ist beschwerlich, wenn man es ernst mit dem Satz
meint, dass der Unterschied zwischen „praxisgerecht“ und „oberflächlich“ in der
Regel dem Autor nicht auffällt.




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Prinzip und Wert: Die eigene Meinung sagen, als Interessenvertreter des Man-
danten, als Wissenschaftler im Diskurs mit der Rechtsprechung und als Lehrer
des Nachwuchses mit vielfältiger Erfahrung bei Weiterbildungsseminaren, als
Journalist im Getümmel der Meinungsstreits – über allem: christlich-konservativ
verankert, aber hinreichend liberal, um keinem Gespräch ausweichen zu müs-
sen.




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Frage 2: Eigene Kompetenzen, Stärken / Schwächen

Als Gründer einer der großen unabhängigen Anwaltskanzleien in Deutschland
haben Sie es in den vergangenen 35 Jahren geschafft, erfolgreich zu wachsen
und dabei zugleich Ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Dabei blieb Ihnen Zeit für
die Vielzahl Ihrer weiteren Engagements in Wissenschaft, Medien und Praxis.

Welche Kompetenzen / Stärken halfen Ihnen dabei, gleichzeitig als Unterneh-
mer, Jurist, Autor und Professor erfolgreich zu sein? Was sind umgekehrt Ihrer
Meinung nach Schwächen von Friedrich Graf von Westphalen?


Antwort:
           Ich denke und formuliere rasch, habe ein immer noch sehr gut
           funktionierendes Gedächtnis und bin nicht griesgrämig, wenn ich bei
           der Arbeit unterbrochen werde: Telefonanrufe und Mitarbeiter haben
           fast immer freie Fahrt. Doch fasse ich mich in der Regel kurz, oft
freilich zu diplomatisch, nicht jeder versteht sogleich die Nuancen.


Meine Schwächen: Ich habe zu viele. Meine Frau kennt sie alle. Meine Sekretä-
rin, die mich seit Anfang meines Berufslebens begleitet, kennt sie (fast) alle.
Meine Freunde kennen die meisten. Unternehmerisch gesprochen: Zu feinsin-
nig, zu diplomatisch, nicht hart genug, sondern nachsichtig, was ich allerdings
als Lob ansehe.




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Frage 3: Netzwerke / Wegbegleiter

„Niemand kann eine Sinfonie flöten. Es braucht ein Orchester, um sie zu spie-
len.“ (Halford E. Luccock):

In ihren Lebenswerk-Interviews betonten Professor Hermann Simon, Professor
August-Wilhelm Scheer und auch Professor Péter Horváth die Bedeutung von
Mitstreitern oder „neudeutsch“ Netzwerken für den eigenen Kompetenz-Erfolg.

Wer waren jeweils für Sie die wichtigsten Partner, die Sie begleitet und unter-
stützt haben bzw. wer gehörte zu Ihrem „Orchester“? Welche Bedeutung hatte
der Austausch mit diesen und anderen Wegbegleitern? Welche Rolle spielte
und spielt das private Umfeld für Sie?

Antwort:
            Das „Orchester“ sind die Menschen, die mich begleitet haben. Ich
            habe mich nie um ein „Netzwerk“ bemüht, sondern immer versucht,
            den einzelnen Menschen als Gesprächspartner, gleich ob als Partner
            oder als „Gegner“ auf der „anderen Seite“ ernst zu nehmen, ihm
vorauseilend sogar Vertrauen zu schenken und dem Mitarbeiter Zuversicht zu
signalisieren, dass er die Aufgabe schafft. Allein wegen seiner „Funktion“ habe
ich nie einem Menschen mehr als höflichen Respekt entgegengebracht.


Meine Frau kenne ich seit 48 Jahren, wir sind seit 42 Jahren verheiratet; die
Familie ist der Mittelpunkt. Unersetzbar. Born der Liebe.




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Frage 4: Deutschlands Rechtssystem und der globale Wandel

Deutschland erlebt fast jeden Tag in den Medien und im „Alltag“ die Herausfor-
derungen der Globalisierung. Ihr besonderes Interesse gilt verständlicherweise
den Auswirkungen der Globalisierung auf Deutschlands Rechtssystem.

Bei zunehmender Bedeutung der EU und dem zunehmenden Einfluss angel-
sächsischer bzw. internationaler Lösungsansätze: Welche Rolle wird das heute
existierende deutsche Rechtssystem dann noch haben? Wie kann in Zukunft
„globalisiert“ / internationalisiert und zugleich das Bewährte bewahrt werden?
Wie verändert dieser Wandel auch unsere Lebenswirklichkeiten / Ökonomie?

Antwort:
            Angesichts der immer weiter um sich greifenden Europäisierung des
            nationalen Rechts wird es sehr schwer, auf Dauer noch „nationale“
            Rechtsordnungen in hinreichender Vitalität zu erhalten, die zudem
            ihren Bürgern eine geistige und kulturelle Heimat sind. Die Globa-
lisierung bringt das Englische brutal-radikal in den Vordergrund: Angloameri-
kanische Anwaltsfirmen mit ihren immer uniformer werdenden Vertragsmustern
(Datenbanken) tun das Ihrige dazu; sie beherrschen die Ausbildung der heran-
wachsenden Juristengeneration; weder Europa (Kapitalmarkt- und Gesell-
schaftsrecht) noch das nationale Recht (Bilanzrecht) können sich auf lange
Sicht hinreichend wehren.


Recht wird zum Wirtschaftsgut; der Markt mit seinen eigenen (brutalen und
nicht solidarischen) Gesetzen beherrscht das Feld; das Recht schafft vor allem
dem Markt das Regelsystem. Es bevorzugt den Reichen und das Kapital. Der
Anwaltsberuf gehorcht diesen Gesetzen weitgehend, was nur teilweise notwen-
dig ist. Auf der Strecke bleiben die Anwälte, die noch Zeit und Muße haben,
über den Tellerrand hinauszusehen, der universell gebildete, weithin versierte,
in vielen Rechtsgebieten kundige Anwalt droht auszusterben. Späte Kulturen
verlieren eben stets den Blick für das Allgemeine; das Besondere, das Speziali-
sierte herrscht; Netzwerke sind ein oft nur dünner Ersatz. Die Demokratie hat
keinen Geschmack; der Mäzen ist selten, der Sponsor ist ein Wichtigtuer.




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Frage 5: Deutschlands Juristen und Kanzleien und der globale Wandel

Auch Deutschlands Juristen und Kanzleien spüren die Auswirkungen der
Globalisierung. Nicht in jedem Fall ist eine Ausbildung als Jurist heute noch
eine Garantie für einen ökonomisch erfolgreichen Lebensweg und neue
internationale Wettbewerber und Fragestellungen fordern deutsche Kanzleien
heraus.

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Person Dr. Barbara Mayer
(Ansprechpartner von: Graf von Westphalen)
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