Wissensmanagement galt lange Zeit als das essentielle Zukunftsthema der Wissensgesellschaft. Die anfängliche Euphorie ist allerdings verschwunden. Oft degenerierte gelebtes Wissensmanagement in den Unternehmen zum Dokumentenmanagement, maximal zum Management von Communities (of Practise) ohne die erhofften Wertschöpfungs-Potenziale zu realisieren. Wissensmanager waren dementsprechend ‑ wie der Spiegel süffisant feststellte ‑ in der Krise z.T. die ersten Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen mussten, weil sie ihren Wert nicht nachweisen konnten.
Droht Wissensmanagement nun der Abstieg vom Zauberwort zum Unwort? Brauchen wir statt DMS-Tools eine neue Sicht der Organisation und ein wissens- bzw. kompetenzorientiertes Re-Engineering / Change Management, also weg von der Technologiezentrierung hin zum Paradigma? Was sagt die Forschung zum Thema? Wie weit sind die Unternehmen in diesem Bereich? Wie geeignet sind die heutigen Technologien? Was wird die nächste Zukunft bringen?
Nur wenige sind so geeignet, diese Fragen zu beantworten, wie Professor North, Professor an der FH Wiesbaden, Vizepräsident der Gesellschaft für Wissensmanagement und anerkannter WM-Vordenker.
In diesem Interview geht er auf die Fragen ein, wie Unternehmen Wissensmanagement erfolgreich einführen können, und wie durch ein gesellschaftliches Wissensmanagement langfristig die nationale Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden kann. Für Unternehmen macht er deutlich, daß Wissensmanagement keine Hexerei, aber auch keine Wunderwaffe ist, sondern das Ergebnis konsequenter Arbeit, wie die Unternehmen, die im Wettbewerb "Wissensmanager des Jahres 2002" die vorderen Plätze belegt haben, zeigen. Um erfolgreich sein zu können, muß Wissensmanagement seinen Platz in der Unternehmensführung finden und dort als eigenständige vierte Dimension aufgebaut werden.
Für ein gesellschaftliches Wissensmanagement empfiehlt er, die noch zu starke Trennung von Arbeiten und Lernen aufzuheben sowie die Bildungssysteme so umzubauen, dass nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern Kompetenzen erworben werden.
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