Im Rahmen des Klimaschutzes ist die Vision vom emissionsfreien Fahren auch im Geburtsland des Automobils die Herausforderung der Zukunft – große Hoffnungen ruhen auf der Elektromobilität.
Am 3. Mai 2010, einem Montag, veröffentlichte die Bundesregierung eine gemeinsame Erklärung mit der deutschen Industrie, in der es heißt: „Industrie und Politik haben das gemeinsame Ziel, Deutschland zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität zu entwickeln.“ Unter der Federführung des Ministeriums für Umwelt, Natur und Reaktorsicherheit (BMU) begründeten Mitarbeiter einiger weiterer Ministerien und Mitarbeiter aus der Automobil-, Energie- und Chemiebranche sowie der Wissenschaft die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE). Man könnte vermuten, dass diese Erklärung und die NPE selbst nur eine von vielen politischen Maßnahmen sein könnten, die später an öffentlicher Aufmerksamkeit einbüßen. Doch die NPE scheint sich mit ihrem Mitte Mai 2011 veröffentlichten „Zweiten Zwischenbericht“ als eine wesentliche Säule des Paradigmenwechsels im bundesdeutschen Energiewandel als Instrumentarium der Bundesregierung etablieren zu können. Denn sie soll die Individualmobilität der Bürger konzeptionell in ein emissionsfreies Zeitalter führen. Das Erreichen des Ziels, im Jahr 2020 bereits eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen rollen zu sehen, wird grundlegend und en detail auf den Vorschlägen und Planungen der NPE beruhen. Darüber hinaus soll sie festlegen, wie Deutschland zum globalen, Technologie führenden Leitmarkt für Elektromobilität werden soll. Insofern kann, neben den spektakulären Entwicklungen rund um den Kernenergieausstieg im Laufe des zurückliegenden Monats, die Arbeit der NPE nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dieser Ansatz klingt tatsächlich einleuchtend, sieht sich Deutschland doch mit mehr als 700.000 direkt in der Automobilbranche Beschäftigten als ein Kernland der Mobilitätsproduktion. Bislang jedoch schienen sowohl die japanischen als auch französischen Hersteller im Bereich der Hybrid- und Elektrofahrzeuge die Nase vorn zu haben.
Mit massiven steuerlichen Vergünstigungen für Bürger und Unternehmen sowie direkten Subventionen in Höhe von vier Milliarden Euro bis 2014 sollen deutsche Hersteller und das Thema Elektromobilität an die Weltspitze geführt werden. Das jedenfalls sind Forderungen der NPE aus dem neuen Bericht, der medienwirksam an die Bundeskanzlerin öffentlich übergeben wurde. Rund 1,96 Milliarden Euro sollen demnach in die Forschung und Entwicklung von Batterie- und Antriebstechnologien fließen. Die Bereiche Fahrzeugintegration, IT und Kommunikationstechnologien sollen rund 1,58 Milliarden Euro erhalten. Neben diesen Forderungen verspricht die Plattform aber auch 30.000 neue Arbeitsplätze bis zum Ende des Jahrzehnts. Tatsächlich scheint Eile bei den Investitionen geboten. Denn laut NPE-eigenen Planungen endet 2014 die erste von drei wesentlichen Phasen auf dem Weg zur Elektromobilität – in der Marktvorbereitungsphase wollen deutsche Unternehmen bis zu 17 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren. Innerhalb dieser Phase kommen einzelne Autobauer zwar bereits mit Serienfahrzeugen an den Markt. Im Wesentlichen soll es sich laut NPE jedoch um „Schaufensterprojekte“ handeln, die das Fundament für die angestrebte Marktführerschaft – übrigens auch aus kommunikationsstrategischer Sicht – bilden sollen. Bis zum Jahr 2017 soll der Fokus in der Phase Markthochlauf vor allem auf der Entwicklung von Fahrzeugpalette und Infrastruktur liegen, während bis 2020 ein funktionierender Massenmarkt für Elektromobilität in Deutschland etabliert werden soll. [...]
Den vollständigen Beitrag aus dem Kundenmagazin "Marktbeobachtung Juni 2011" von HSBC Trinkaus finden Sie als PDF-Datei im Anhang!
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