Veröffentlicht am 12.10.2015

Aus unserer Sicht erfordert eine direkte Beteiligung der Mitarbeiter an der Prozessentwicklung in der Industrie 4.0 die Beseitigung einer Anzahl bestehender organisatorischer und technischer Hürden. Eine beträchtliche Hürde ist vor allem der hohe Grad an Spezialisierung und die Techniklastigkeit der meisten heutigen Beschreibungssprachen für betriebliche Prozesse. Wir brauchen Modellierungssprachen, die nicht nur von den IT-Experten und Automatisierungstechnikern verstanden werden sondern auch von den Fachabteilungen: vom Mitarbeiter an der Maschine bis zum Produktionsmanager im Planungsbüro. Mit unserem innovativen Ansatz zur Prozessmodellierung, dem subjektorientierten Business Process Management (S-BPM), kommen wir dieser Anforderung schon sehr nahe: Mitarbeiter können eigenständig ihre individuelle, „subjektive“ Sicht auf den Prozess darstellen, und das in einer einfachen Modellierungssprache, die nur aus fünf Symbolen besteht und von der natürlichen Sprache abgeleitet ist. Die verschiedenen Sichten werden miteinander über Kommunikationsbeziehungen verknüpft, so dass ein modulares Netzwerk autonom arbeitender Einheiten entsteht. Die Modularität der Prozessmodelle erleichtert das Umsetzen von Änderungen und fördert damit die Agilität der Prozesse. Mit diesem Ansatz konnte zum Beispiel die Swisscom allein 8 Änderungen innerhalb von 6 Monaten an ihrem Incident Management Prozess realisieren. Ein Kunde aus der Automobilindustrie konnte mit S-BPM einen Terminsteuerungsprozess beherrschbar machen, der durch die zunehmende Modularisierung von Stücklisten immer komplexer wurde. Zugleich müssen Prozessmodelle aber auch eindeutig definiert und ausführbar sein. Es nützt nichts, wenn der Mitarbeiter schöne Prozessdiagramme malt, die dann vom IT-Experten falsch oder ungenau interpretiert und umgesetzt werden. Mit S-BPM haben wir bereits eine Sprache, die den Spagat schafft zwischen Verständlichkeit und Ausführbarkeit. In einem unserer aktuellen Industrie 4.0 Forschungsprojekte, dem EU-geförderten Projekt SO-PC-Pro („Subject-Orientation for People-Centred Production“), entwickeln wir gerade Erweiterungen unserer Metasonic® Suite, um eine Ausführung von S-BPM Prozessmodellen über alle Automatisierungsebenen zu ermöglichen – von der Unternehmensebene, über die Betriebs-, Leit- und Steuerungsebenen bis hinunter zu den Sensoren und Aktoren der Feldebene. In einer prototypischen Anwendung konnten wir bereits demonstrieren, wie unsere Workflow Engine mit speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) kommunizieren und damit Echtzeitprozesse in der physischen Welt ausführen kann.