Veröffentlicht am 15.03.2019

Im Rahmen einer Serie möchten wir in Zukunft führende Köpfe der Digitalisierung vorstellen, die ihrer Zeit schon vor Jahrzehnten voraus waren. Es freut uns sehr, diese Serie mit Burkhard Röhrig, Vater der Industrie 4.0 human und Gründer von GFOS (vor 30 Jahren!), beginnen zu können.

Wenn Burkhard Röhrig auf ein mehr als 30-jähriges Lebenswerk zurückblickt, dann könnte er sich nicht eines Lebenswerks, sondern gleich dreier Lebenswerke rühmen, wenn dies seine Art wäre. Es ist aber nicht die Art des Westfalen, noch weniger die Art des Burkhard Röhrigs, dies zu tun. So verzichtete er auch im Rahmen der Jubiläumsfeier auf den üblichen Laudatio-Marathon von Wegbegleitern.

So freut es nun den Rheinländer und Autor dieses Beitrags umso mehr auszusprechen, was im Nachgang zum 30-Jährigen Jubiläum doch noch gesagt werden sollte, weil zentrale Aussagen auch über das 30-Jährige Jubiläum von großem Wert sind. Alle drei Lebenswerke des Burkhard Röhrigs verbindet ein Gedanke – der Gedanke des Humanen. Das wichtigste der drei Lebenswerke gilt es dabei noch zu vollenden, nicht durch Burkhard Röhrig alleine, sondern durch uns als Gesellschaft.

Lebenswerk I: Organisationsberatung und Softwareentwicklung als Einheit

Zunächst hat Burkhard Röhrig lange vor seiner Zeit mit der GFOS, der Gesellschaft für Organisationsberatung und Softwareentwicklung mbH, die „humanen“ Herausforderungen einer "digitalen" Ökonomie vorausgeahnt.

Softwareentwicklung ohne Organisationsberatung führt im schlimmsten Fall in technokratische Sackgassen. Technologie und Organisation müssen zusammen gedacht und gestaltet werden. Natürlich musste eine solche Gesellschaft - rückblickend betrachtet auf jeden Fall - Fragen der Steuerung der Produktion – heute MES – mit Fragen des Arbeitszeit-Managements – heute Workforce-Management – verbinden. Niemand ist diesen humanzentrierten Weg aber früher und konsequenter als Burkhard Röhrig mit der GFOS gegangen, die mit der Ganzheitlichkeit sicherlich die wichtigste Differenzierung realisieren konnte.

Wenn wir nun im Zeitalter der Digitalisierung über Work-Life-Balance, Selbstbestimmung und Selbstorganisation sprechen, dann sind solche Systeme dafür der Schlüsselfaktor. Wenn wir auch die „dunklen Seiten“ unserer schönen neuen Welt in Form der totalen Flexibilisierung, der ständigen Verfügbarkeit und der Entgrenzung von Arbeit thematisieren und den Ausgleich zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen fordern, dann ist es gut, mit Köpfen wie Burkhard Röhrig Vordenker engagiert zu wissen, die sich niemals nur als Erfüllungs-Dienstleister ihrer Kunden verstehen, sondern immer den größeren Rahmen und die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Balance sehen. 

Lebenswerk II: Gesellschaftliche Verantwortung

Damit sind wir schon beim zweiten Lebenswerk. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen und noch besser: An ihren Taten, über die sie nicht selbst, sondern andere berichten. Wenn der Autor dieses Beitrags bei einem CDO-Talk von Kienbaum in Düsseldorf eher zufällig auf Burkhard Röhrig zu sprechen kommt und Vertreter der FOM unabgesprochen und unerwartet das besondere Engagement von Burkhard Röhrig für die betriebliche und außerbetriebliche Bildung loben, dann hat das nichts mit PR-Arbeit zu tun.

Burkhard Röhrig hat im Rahmen seines zweiten Lebenswerks die Grenzen seiner unternehmerischen Verantwortung niemals auf das eigene Unternehmen begrenzt – und auch das eben bereits von Beginn seiner unternehmerischen Tätigkeit an. Verantwortung im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung war und ist für ihn eben nicht kosmetischer „Responsibility“-Zuckerguss, sondern DNS und gelebte Überzeugung. Damit gleicht er anderen großen Unternehmenspersönlichkeiten und Westfalen wie Reinhard Mohn. 

Sein Schlüsselthema ist dabei die Bildung. Sein Credo zuletzt im Rahmen des Jubiläums: „Die Digitalisierung ist kein Trendthema, das morgen verschwindet – im Gegenteil. Vor dem Hintergrund von Themen wie Digitalisierung, Industrie 4.0 und Machine Learning wird sich unsere Arbeitswelt nachhaltig verändern. Daher ist es umso wichtiger, unsere jungen Fachkräfte von Morgen auf diese Themen vorzubereiten und sie bestmöglich auszubilden“. Deshalb unterstützen er und GFOS auch vielfältige Bildungsprojekte zu aktuellen Themen wie zuletzt am Heinz-Nixdorf-Berufskolleg zum Thema Industrie 4.0. Aber auch langjährige Engagements, z.B. für die Ausbildung an der FOM, wie auch die umfassenden unternehmens-eigenen Qualifikationsinitiativen charakterisieren den Überzeugungstäter für eine humane Zukunftsfähigkeit durch Qualifikation. 

Lebenswerk III: Industrie 4.0 human

Damit kommen wir last, but not least im Rahmen des Industrie 4.0-Human-Blogs zum gesellschaftlich wichtigsten Lebenswerk von Burkhard Röhrig – der Industrie 4.0 human. Als der Industrie 4.0-Mainstream sich noch im Technologie-Fetisch verlor, wies Burkhard Röhrig schon frühzeitig auf die humane Komponente der „Großen Transformation“ hin. Dabei ging es ihm keineswegs nur um Gefahren-Abwehr. Für den „Humanisten“ Röhrig im besten Sinne war Industrie 4.0 nicht nur potenziell Bedrohung des Humanen, sondern immer auch Chance. Dabei kommt es – und das war durchgängig seine Botschaft – auf uns an, was am Ende aus Industrie 4.0 und Digitalisierung wird.

Als Vorstandsvorsitzender im Software-Fachverband des VDMA wie auch als aktiver Autor in den Medien dachte er umfassend darüber nach, wie die Rolle des Menschen in einer humanen Industrie 4.0 als Win&Win gestaltet werden kann. Während das „Arbeiten 4.0“ des Bundesministeriums für Arbeit vor allem die Arbeitsorganisation aus Sicht der Arbeitnehmer beleuchtet, war es das Ziel der Mitstreiter um Burkhard Röhrig alle Gestaltungsbereiche der Industrie so zu durchleuchten, dass ein Win&Win für Arbeitnehmer und Unternehmen durchgehend sichergestellt wird.

Schließlich kann Industrie 4.0 nur ein Erfolg werden, wenn es gelingt, die Interessen der Unternehmen und der Mitarbeiter zu synchronisieren. Gerade im Umfeld von Industrie 4.0 darf daher auch Flexibilität keine Einbahnstraße sein. Heute sind neben Assistenzsystemen und Social Machines intelligente Arbeitszeitmodelle in einer „fluiden“ Ökonomie gefragter und bedeutender denn je. Hier werden Lösungen zum Wohl von Kunden, Unternehmen und Mitarbeitern beleuchtet, um z.B. auch ältere Mitarbeiter weiterhin in der Produktion integrieren zu können. Mit einfachen Tools wie z.B. einem Workflow lassen sich Mitarbeiterwünsche wie Diensttausch oder kurzfristiger Urlaub gerecht und transparent umsetzen.  Hier – beim Personaleinsatz - spüren die Mitarbeiter und Unternehmen am schnellsten die Auswirkungen einer vermehrten Digitalisierung, Flexibilisierung und Kollaboration im Netzwerk. Dabei wird der Mitarbeiter nicht fremdbestimmt, sondern selbstbestimmt als Partner, nicht als Opfer des Wandels.

Dieses Lebenswerk von Burkhard Röhrig erfordert eine breite Anstrengung in Industrie und Gesellschaft. Insofern ist es das beste Jubiläumsgeschenk, wenn wir hier als Köpfe der Industrie 4.0, aber auch darüber hinaus breit mitwirken.