Veröffentlicht am 16.10.2019

Die Digitalisierung hat im Jahr 2018 endgültig alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche in Deutschland erfasst. Die meisten Unternehmen befassen sich mit der Digitalisierung, entwickeln erste Strategien und treiben mit unterschiedlich großem Erfolg den digitalen Wandel voran.

Als potenzielle Heilsbringer der Digitalisierung gelten häufig neue Einheiten, die als Digital Labs, Innovation Hubs, Data Labs, Innovation Labs, Digital Units etc. die Ideenfindung (Ideation), Invention und Innovation der Unternehmen sichern sollen, um im digitalen Wandel die Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten. Die Intention ist sicher richtig und wichtig – aber wie kann sichergestellt werden, dass die oft ausgelagerten und eigenständigen organisatorischen Innovationseinheiten nicht nur Aktionismus entfalten, um das Topmanagement zu beruhigen? Wie muss eine solche Einheit aufgestellt sein, um dauerhaft Innovation in die Regelorganisation einzubringen?

In den letzten fünf Jahren konnten wir viel Erfahrung im Aufbau und Betrieb digitaler Einheiten bei unseren Mandanten gewinnen. Speziell die aus dem Co-Creation- Ansatz mit unserem eigenen Digitalen Labor, dem OC|Lab©, gewonnenen Erfahrungen brachten uns viele Erkenntnisse. Denn die Praxis hat gezeigt, dass der Erfolg nur dann eintritt, wenn Strategie, Organisation, Innovationskultur sowie die Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit (Changeability) der digitalen Einheit zur Erwartungshaltung passen. Grundvoraussetzung ist, dass die Unterschiede zwischen Ideation, Invention und Innovation verstanden und auch berücksichtigt werden.



Erstaunlicherweise gibt es aktuell so gut wie keine deutsche Literatur zu Konzepten, Aufbau und Betrieb digitaler Innovationseinheiten. Die vorhandenen Veröffentlichungen sind eher vom aktuellen Marketinghype rund um das Thema geprägt: Jede Digitalisierungsstrategie muss ein Digital Lab ausweisen, und die Unternehmen nutzen ihre digitalen Einheiten lautstark als Beweisführung für ihre digitale Innovationskraft im Markt. Diese Lücke wollen wir mit diesem Buch nun schließen und insbesondere das Thema Digital Lab allgemeingültiger und pragmatischer unter die Lupe nehmen. Als Zusammenfassung der Ergebnisse aus unseren Beratungsmandaten und innovativen Implementierungsprojekten liefert es einen Leitfaden für Praktiker als Gerüst für den erfolgreichen Aufbau und Betrieb von Innovationseinheiten.

Das Gerüst ist im Prinzip recht einfach: Im ersten Schritt muss zuerst einmal der Begriff Innovation entmystifiziert und als ein I3-Prozess verstanden werden, bestehend aus Ideation, Invention und der eigentlichen Innovation. Wir müssen uns davon lösen, dass man diesen I3-Prozess im klassischen Sinne managen und planen kann. Daher wird es notwendig sein, über Changeability und organisatorische Ambidextrie generelle Innovationsfähigkeit im Unternehmen zu verankern, um auch die Chancen offener Innovation in hybriden Innovationsnetzwerken wahrzunehmen. Die Governance dieses offenen Innovations-Kollaborations-Modells erfolgt über ein nichtlineares, ganzheitliches Innovationsmanagement. Diesen Gesamtzusammenhang haben wir im Schaubild „Der I³-Prozess“ dargestellt.

Wir dürfen aber nicht in die typischen Fehler verfallen, dass man komplexe Innovationsprozesse über Umsatz- und Ertragsregelwerke sowie Planungs- und Budgetrunden steuern kann. Die hier präsentierten, unterschiedlichen digitalen Einheiten als Werkzeuge für den I3-Prozess passen sich natürlich in das hybride Innovationsnetzwerk ein, wenn sie durch die passende Wahl einer digitalen Einheit auf die unterschiedlichen Erwartungen der Stakeholder abgestimmt sind.

In Beratungsmandaten begegnen uns immer die gleichen Kernfragen zu digitalen Einheiten, die Ideen generieren, Invention und Innovation ermöglichen sollen:

„„ - Wie sieht eine Strategie und Vision für eine digitale Einheit aus?
„„ - Was sind die Unterschiede zwischen Digital Labs, Digital Hubs und Digital Units?
„„ - Wie sollte man digitale Einheiten und IT-gestützte Innovation generell führen und steuern?
„„ - Welche organisatorischen Vorbereitungen und Veränderungen sind notwendig?
„„ - Wie werden die Mitarbeiter zielgerichtet auf die Mitarbeit vorbereitet?
„„ - Wie kann Changeability als Haltung bei den Mitarbeitern erreicht werden?
„„ - Hat eine zentralistische Governance der Innovation überhaupt noch Zukunft?
„„ - Wie beherrscht man die steigende Komplexität?
„„ - Wie passen agile Ansätze und Lean Startup zu einer digitalen Einheit?
„„ - Wie überführt man neue innovative Lösungen in den operativen Betrieb?

Diese Publikation bietet Hilfestellung für alle, die eine Aufgabenstellung im Bereich der Digitalisierung bzw. im Bereich des Innovationsmanagements zu bewältigen haben. Wesentliche Zielgruppe sind jedoch die Business-Architekten, um deren ganzheitliche Sicht auf den I3-Prozess zu fördern und die Rolle der Systemarchitektur sowie die Schlüsselaspekte der Changeability als organisationale Fähigkeit und innere Haltung deutlich zu machen. Die Modelle und die vorgestellte Vorgehensweise ermöglichen eine Nutzung in den eigenen digitalen Vorhaben bzw. zum Review bestehender Ansätze. Stichwort Review: Wir freuen uns über Ihre Anmerkungen zu diesem Buch, um die vorgestellten Konzepte kontinuierlich zu verbessern.

Dieses Buch bedient somit eine Vielzahl an Sichten: Es kann Ihnen als Glossar einiger der wichtigsten Begriffe dienen, auch um diese gegeneinander abzugrenzen. Es soll Sie durch neuartige, vielleicht ungewöhnliche Sichtweisen inspirieren, aber gleichzeitig durch die vielen Checklisten, Empfehlungen und Modelle als Arbeitsmittel nutzbar sein. Leider lässt es sich nicht vermeiden, den einen oder anderen Trendbegriff in der marktgängigen denglischen Schreib- und Sprechweise zu verwenden – wir bemühen uns aber, sofern sinnvoll, um passende deutsche Begrifflichkeiten.

Wir, die Autoren, wünschen Ihnen viel Freude an der Lektüre, viele neue Denkanstöße und viel Erfolg bei Planung, Implementierung und Betrieb Ihrer Digital Labs!

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