Veröffentlicht am 04.09.2001

<b>1. Ausgangslage</b>

Die Deutsche Telekom AG (im folgenden Deutsche Telekom genannt) als Anbieter von Dienstleistungen und Betreiber von Netzinfrastrukturen im Bereich Telekommunikation ist gerade zu prädestiniert, Telearbeit zu forcieren.

Geleitet von dieser Überlegung und mit dem Bewußtsein, dass Telearbeit "kein Selbstläufer ist, sondern einer Implementierungsstratgie bedarf", wurde seit Anfang 1996 Telearbeit in verschiedenen Aufgabenfeldern unter technischen, sozialen und organisatorischen Gesichtspunkten erprobt. Mit dem Tarifvertrag zur Begleitung der Erprobung von alternierender Telearbeit bei der Deutschen Telekom, der der bundesweit erste Tarifvertrag zu diesem Thema ist, wurde die rechtliche Grundlage geschaffen. Im Vordergrund der Pilotierung standen die Akzeptanz und Funktionalität dieser innovativen Arbeitsform als notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Einführung.

Die gut zweijährige Pilotierungsphase hat wissenschaftlich fundiert auf überzeugende Weise gezeigt, dass Telearbeit funktioniert und bei allen Beteiligten auf eine breite Akzeptanz stößt. Ausweislich der Studie waren bzw. sind die Telearbeiter in hohem Maße zufrieden, denn 97 % würden wieder mitmachen, 67 % finden alternierende Teleheimarbeit optimal, 55 % haben neue Fähigkeiten und Kenntnisse erworben und 75 % arbeiten nach eigener Einschätzung zu Hause produktiver als im Büro. Die Vorgesetzen sehen in der Telearbeit einen Anreiz für Motivation, Kreativität und Selbstdisziplin. Alle befragten Vorgesetzten sind der Meinung, dass das Motivationspotential der Telearbeiter für die Mitarbeiter hoch bzw. sehr hoch ist und Telearbeit die Kreativität der Mitarbeiter fördert. Die Arbeitskollegen der Telearbeiter bewerten Telearbeit aus der Erfahrung in der Zusammenarbeit positiv. 90% befinden, dass die Zusammenarbeit mit Telearbeitern gut bis sehr gut funktioniert und ebenfalls 90% der befragten Arbeitskollegen würden selbst gerne Telearbeit ausüben. Auch Betriebsräte halten die Telearbeit für die Arbeitsform der Zukunft. Sie sind der Ansicht, dass Telearbeit den Arbeitnehmern mehr Selbstbestimmung und Selbstverantwortung überträgt sowie mehr Spielraum und Gestaltungsfreiheit in der Arbeitsorganisation bietet.

Ferner hat diese Erprobungsphase gezeigt, dass Telearbeit einen Beitrag zur Steigerung unserer Wettbewerbsfähigkeit leisten kann. Der wirtschaftliche Nutzen der Telearbeit liegt darin, dass wir auf diese Weise schneller und flexibler auf veränderte Markanforderungen reagieren können. Die zeitliche und räumliche Flexibilisierung der Arbeitserbringung trägt dazu bei unsere Arbeitsqualität und - produktivität zu verbessern.

Telearbeit liegt auch im Interesse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die mit der Telearbeit einher- gehende höhere Selbstverantwortung bei der Gestaltung und Durchführung der Arbeit führt zu einer höheren Arbeits- und Ergebniszufriedenheit. Auch wird die Möglichkeit eröffnet, den Beruf besser mit der individuellen Lebensführung zu vereinbaren.

Ausgehend von den Ergebnissen der Pilotierung wurde Anfang 1998 ein Konzept zur Einführung der Telearbeit als Regelarbeitsform erarbeitet. Dieses Konzept sieht vor, dass die Deutsche Telekom Telearbeit als Regelarbeitsform im Konsens mit dem Sozialpartner einsetzt. Sie wird in einem evolutionären kontrollierbaren Prozeß eingeführt. Eine klare Implemtentierungsstrategie, bei der eine Entwicklung von einer reinen Arbeitsplatz- hin zu einer Prozeßstrategie im Mittelpunkt steht, wird vorgegeben. Dabei wird die Frage der Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund gestellt.

<b>2. Derzeitiger Stand</b>

Seit Anfang 1999 setzen die Konzerneinheiten unter untenehmenseinheitlichen Rahmenbedingungen Telearbeit in Form der alternierenden und der mobilen Telearbeit als Regelarbeitsform um. Basis dafür ist der Tarifvertrag über Telearbeit, der die Regelungsinhalte des Pilotierungstarifvertrages, erweitert um die mobile Telearbeit, übernommen hat. Um auch desk sharing zu ermöglichen, ist tarifvertraglich vereinbart worden, dass der Telearbeiter keinen Anspruch auf einen persönlichen (Büro-) Arbeitsplatz hat.

Speziell für die Belange der Telearbeit wurde ein Datenschutz- und -sicherheitskonzept erstellt. Dieses Konzept ist modular aufgebaut. Die Module sind kostengünstig und flexibel einsetzbar.

Zur Bestimmung und zum Nachweis des wirtschaftlichen Nutzens einer Telearbeitsmaßnahme ist ein anwenderfreundliches Wirtschaftlichkeitstool erstellt worden, welches neben rein wirtschaftlichen Faktoren auch qualitative Effekte wie Kundenzufriedenheit, Flexibilität, Mitarbeiterzufriedenheit berücksichtigt.

Bei der Einführung der Telearbeit wird die Zuständigkeit und die Verantwortlichkeit der Führungskräfte in den Mittelpunkt gerückt. Ihnen werden dazu zahlreiche Hilfsmittel und Coachingmaßnahmen angeboten. Dies gilt auch bei der täglichen Führungsarbeit von Telearbeitern und deren Kollegen.
Um den weitgefächerten Weg von der Planung bis hin zur Einrichtung eines Telearbeitsplatzes, der vom Betriebsrat mit unterschiedlich ausgestalteten Beteiligungsrechten, über die Fachkraft für Arbeitssicherheit im Hinblick auf die Eignung und Einrichtung der häuslichen Arbeitsstätte, dem Datenschutz, der Infrastrukturausrüstung bis hin zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung reicht, transparent zu machen, wurde ein organisationsbezogenes Handlungs- und Orientierungskonzept erarbeitet.

In der Einführungsphase steht eine zentrale Einführungsunterstützung zu Verfügung, die, um einen optimalen Know-how Transfer zu gewährleisteten, von der bisherigen Projektleitung gestellt wird. Die Einführungsberatung unterstützt die Unternehmenseinheiten bei Ihrer Entscheidungsfindung und der Umsetzung der Rahmenbedingungen. Sie ist zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle und führt das Monitoren der Telearbeit durch. Sie steht über Telefon, mail und Intranet Führungskräften, Mitarbeitern und allen anderen Beteiligten zur Verfügung.

Um sämtliche Rahmenbedingungen und Informationen allen Interessierten und Betroffenen zugänglich zu machen, ist im intranet eine Homepage eingerichtet worden, über die nicht nur alle Informationen zur Telearbeit benutzergerecht abrufbar sind, sondern auch direkt Kontakt mit der zentralen Einführungsberatung aufgenommen werden kann.

Im Ergebnis läßt sich feststellen, daß die Regeleinführung optimal vorbereitet ist und unsere Vorgehensweise ein Referenzmodell für eine erfolgreiche Regeleinführung ist. Bisher sind ca. 750 alternierende und ca. 15.000 mobile Telearbeitsplätze realisiert. Die weitere Tendenz ist stark steigend. Neben der Tochter T-Mobil, die seit Anfang 1999 die Telearbeit als Regelarbeitsform auf Grundlage des Tarifvertrages über Telearbeit einführt, sind Anfang 2000 die Töchter DeTeCSM, DeTeSystem und T-Nova gefolgt.

Um auch den außertariflichen Arbeitnehmern diese innovative Arbeitsform zu ermöglichen, hat die Deutsche Telekom zwischenzeitlich eine Gesamtbetriebsvereinbarung Telearbeit für AT-Kräfte abgeschlossen.

<b>3. Visionen</b>

Telearbeit ist eine innovative Arbeitsform. Ihre Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, sondern steht erst am Anfang. Die mit Telearbeit einhergehende Veränderung der Arbeitsorganisation und der Arbeitsabläufe trägt dazu bei, den Wandel von der Mißtrauens- zur Vertrauenskultur (Cultural Change) zu forcieren. Vor diesem Hintergrund verfolgt die Deutsche Telekom eine Doppelstrategie: Einführung der alternierenden und mobilen Telearbeit als Regelarbeitsform auf Grundlage des Tarifvertrages mit hoher Akzeptanzbasis im Unternehmen und Weiterentwicklung der Vertrauenskultur. Hierzu gehört auch die Weiterentwicklung und Erprobung technologischer, organisatorischer und sozialer Kompetenzen. Die Einführung der Telearbeit als Regelarbeitsform ist nicht nur Teil der Konzern-Personalstrategie, sondern auch ein Beitrag zu unserer Unternehmensvision " -Wir werden die Deutsche Telekom zum kundenfreundlichsten, sympathischsten und erfolgreichsten Unternehmen unserer Branche machen und in der Informationsgesellschaft weltweit immer wieder neue Maßstäbe setzen".

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